Leseliste

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Draußen vor der Tür

Borchert Wolfgang

Clockwork Orange (Film)

Burgess Anthony

Die Stimmen von Marrakkesch

Canetti Elias

Der Alchimist

Coelho Paolo

Der Zahir

Coelho Paolo

Elf Minuten

Coelho Paolo

Veronika beschließt zu sterben

Coelho Paolo

Die letzte Liebe der Monsieur Armand

Dorner Françoise

Der Besuch der alten Dame

Dürrenmatt Friedrich

Der Richter und sein Henker

Dürrenmatt Friedrich

Die Physiker

Dürrenmatt Friedrich

Gut gegen Nordwind

Glattauer Daniel

Der Kameramörder

Glavinic Thomas

Der Götz von Berlichingen (Theater)

Goethe Johann Wolfgang

Faust I

Goethe Johann Wolfgang

Das Wetter vor 15 Jahren

Haas Wolf

Bahnwärter Thiel

Hauptmann Gerhard

Siddharta

Hesse Hermann

A long way down

Hornby Nick

Der Drachenläufer

Hosseini Khaled

Elementarteilchen (Buch & Theaterstück)

Houellebeqc Michel

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Irwing John

Owen Meany

Irwing John

Die Klavierspielerin

Jelinek Elfriede

Die kleine Fabel

Kafka Franz

Hector und seine Suche nach dem Glück

Lelord François

Martha Quest

Lessing Doris

Mairo und der Zauberer

Mann Thomas

Die Liebe in Zeiten der Cholera

Marquez Gabriel Garcia

Die Reiherkönigin

Maslowska Dorota

Abbitte

Mc Ewan Ian

Am Strand

Mc Ewan Ian

Saturday

Mc Ewan Ian

Nachtzug aus Lissabon

Mercier Paul

Die Ausgrenzung

Mitgutsch Anna

In fremden Städten

Mitgutsch Anna

Kein Platz für Idioten (Buch und Film)

Mitterer Felix

Der Talisman (Theater)

Nestroy Johann Nepumuk

Im Westen nichts Neues

Remarque Erich Maria

Alles ist erleuchtet

Safran Foer Jonathan

Der Vorleser

Schlink Bernhard

Die Traumnovelle

Schnitzler Arthur

Was ihr wollt (Theater)

Shakespeare William

My fair lady (Theater)

Shaw George Bernard

Sweeney Todd (Theater)

Sondheim Stephen, Sibelius Karl

Der kleine Prinz

St. Excupéry Antoine

Die Ermittlung

Weiss Peter

Die 40 Tage des Musa Dagh

Werfel Franz

Die Angst

Zweig Stefan

Die Schachnovelle

Zweig Stefan

Gespenster

Zweig Stefan

 

 

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Gemischte Beiträge

            Lesebiografie

Seit ich mich erinnern kann, hat mir meine Mutter Geschichten vorgelesen. Das ging soweit, dass ich meine Lieblingsbücher sogar auswendig mitsprechen konnte. Da alle Familienmitglieder wussten, dass ich Bücher sehr mochte, bekam ich auch zu jedem Anlass, wie Geburtstag, Ostern oder Weihnachten welche.

Mein erstes eigenes Buch war ein riesiger Märchenband mit allen Märchen der Gebrüder Grimm. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die bekannten Märchen mit Prinzessinnen in meinen ersten Lebensjahren meine absoluten Lieblingsgeschichten waren.

In meiner frühesten Kindheit habe ich fast ausschließlich Fantasiegeschichten mit Prinzessinnen, Feen, Hexen und Zauberern gelesen. Doch im Laufe der Zeit veränderte sich mein Büchergeschmack.

In der Volksschule verschlang ich mit Begeisterung die Jugendkrimis „Die Knickerbockerbande“ von Thomas Brezina. Außerdem entwickelte ich ein Interesse für geschichtliche Themen, insbesondere das Leben der Kaiserin Elisabeth. Vielleicht ist das auch auf meine Vorliebe für Prinzessinnen in meinen ersten Lebensjahren zurückzuführen, obwohl ich mich später mehr für Fakten interessierte.

In meiner Hauptschulzeit waren meine absoluten Lieblingsbücher die „Gretchen Sackmeier-Trilogie“ und „Villa Henriette“, beides von Christine Nöstlinger. Aber ich las auch weiterhin geschichtliche Sachbücher über die Zeit der österreichischen Monarchie, aber auch über den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit.

Mein Leseverhalten veränderte sich im Lauf der Zeit immer wieder, so hatte ich meine Liebesgeschichten-Phase, in der ich „Vom Winde verweht“ von Margaret Mitchell las, eine Zeit, in der ich eine Vorliebe für Fantasy-Geschichten wie „Krabat“ von Otfried Preußler hatte. Eine Zeitlang interessierte ich mich besonders für dramatische, aber wahre Schicksale.

Ich lese noch immer sehr gerne, meistens vor dem Schlafengehen, aber auch im Urlaub am Strand, oder an verregneten Nachmittagen. Meistens suche ich Bücher aufgrund von Empfehlungen von Freunden oder meinen Eltern aus, aber eigentlich bin ich nicht wählerisch.

Ich kann mich für viele Genres begeistern. In den letzten Jahren habe ich Biografien, wahre Begebenheiten, geschichtliche Sachbücher und Romane, Abenteuerromane, Fantasygeschichten sowie Liebesgeschichten und Komödien gelesen. Nur den klassischen Kriminalromanen mit Täter und Polizist kann ich nicht allzu viel abgewinnen.

Mein letztes Buch war die Biografie der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Besonders gefallen hat mir, wie einfach sie ihr Leben beschreibt, obwohl diese Frau einen Kampf gegen das ungerechte, die Frauen benachteiligende, iranische Justizwesen führt.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir Patrick Süskinds „Parfum“, enttäuscht war ich jedoch vom Film. Auch wenn ein Film selten an die Qualität des Buches herankommt, war es in diesem Fall besonders schade, da einige Passagen, die dem Buch den eigentlichen Reiz gaben, im Film überhaupt nicht zur Geltung kamen.

Weil es ein so riesiges Angebot an interessanten Büchern gibt, finde ich die Entscheidung, welches ich als nächstes lesen soll, sehr schwierig. Momentan würde mich Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt“ sehr reizen.

 

 

            Musical: Rebecca

Seit ich in der Hauptschule zum ersten Mal ein Musical gesehen habe, bin ich begeistert von dieser Art der Bühnenkunst. Weil das meine Mutter weiß, habe ich den Besuch im Musical Rebecca zum Geburtstag bekommen. Als Beitrag zum Kulturportfolio habe ich das Musical deshalb ausgewählt, um diesen wunderbaren Abend auch schriftlich festzuhalten.

1.1       Inhalt des Musicals

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts lernt der Millionär Maxim de Winter in einem Hotel an der Cote d’Azur eine junge amerikanische Gesellschaftsdame kennen. Nach kurzer Zeit heiratet er sie und nimmt sie mit auf sein Anwesen Manderley.

Dort wird sie nicht sehr herzlich in Empfang genommen, da sich alles um Maxims verstorbene Frau Rebecca zu drehen scheint. Besonders die Haushälterin legt es darauf an, die neue Herrin bei jeder Gelegenheit mit dem Verlust durch Rebeccas Tod zu konfrontieren.

Sie spinnt eine Intrige, durch die Maxims neue Frau ein Kleid Rebeccas zu einem großen Maskenball trägt. Als Maxim das sieht, bekommt er einen Verzweiflungsanfall und die junge Ehefrau glaubt schon fast an ein Ende der Beziehung.

Am nächsten Tag wird jedoch Rebeccas Leiche im Meer gefunden, obwohl Maxim schon vor Monaten jemand anderen als seine Frau identifiziert hat. Er gesteht seiner zweiten Frau, dass sich Rebecca bei einem Streit das Genick gebrochen hat.

Nun steht Maxim natürlich unter Mordverdacht, doch seine Frau hält zu ihm und unterstützt ihn beim Mordprozess. Sie entwickelt ein bis jetzt unentdecktes Selbstvertrauen, übernimmt endlich die Herrschaft auf Manderley, die ihr zusteht und schafft es sogar, ihren geliebten Ehemann vom Verdacht zu befreien.

Obwohl die Liebe von Maxim und seiner Frau auf eine Probe gestellt worden ist, wird am Ende alles gut, nicht zuletzt wegen der rasanten Entwicklung der jungen Herrin.

1.2       Reflexion

Die Inszenierung des Stücks war wirklich unglaublich. Der absolute Höhepunkt war das Finale, bei dem die gesamte Bühne in echten Flammen aufging. Ich war mir im ersten Moment nicht einmal sicher, ob das Riesenfeuer überhaupt Teil der Vorstellung ist. Besonders in der Szene des Kostümballs waren die Kostüme wirklich atemberaubend. Die Lieder waren richtige „Ohrwürmer“, besonders weil sich gewisse Stücke immer wiederholten.

Sehr interessant war, dass die eigentliche Hauptperson, nicht wie anzunehmen, Maxims junge Frau, sondern die Haushälterin war, die richtiggehend besessen von ihrer früheren Herrin Rebecca ist. Sie hält die Geschichte in Bewegung, da sie immer wieder auf Rebecca zu sprechen kommt, die wie ein Geist, irgendwie immer anwesend ist, ohne jemals da zu sein.

Ansonsten war die Handlung sehr einfach zu verfolgen, eben eine richtige Liebesgeschichte mit diversen Verwirrungen und einem Happy End. Ich fand die ganze Vorstellung überaus unterhaltend und würde mir Rebecca jederzeit wieder ansehen.

            Reisebericht: Baltikum

Im letzten Sommer erzählte mir meine Tante von einer Rundreise nach Litauen, Lettland und Estland, die sie machen wollte. Da ich mich sehr begeistert zeigte, bot sie mir an, sie zu begleiten. Diesem Vorschlag stimmte ich mit großer Freude zu.

Zwei Monate später saßen wir schon im Flugzeug von Wien nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens.

1.3      

Blick auf Vilnius

Litauen

Nach unserer Ankunft machten wir einen Stadtrundgang in der wunderschönen, im Jugendstil erbauten Altstadt von Vilnius. Unter anderem besichtigten wir eine orthodoxe Kirche und die barocke St. Anna Kirche. Eine berühmte Sehenswürdigkeit war auch das „Tor der Morgenröte“, der älteste noch erhaltene Teil der Stadtmauer.

Am nächsten Tag stand ein Ausflug zur Wasserburg Trakai auf dem Programm. Ich war begeistert von der verwunschen aussehenden, mitten auf einem See erbauten Festung.

Als wir an unserem letzten Tag in Litauen mit der Fähre auf die Kurischen Nehrung fuhren, bekamen wir die größten Sanddünen Europas zu sehen. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie Dünen in Nordeuropa aussehen sollten. Im Dorf Nida, auf der Kurischen Nehrung, wo auch Thomas Mann einige Zeit gelebt hatte, entdeckte man überall winzige, aber entzückende, für Litauen typische Fischerhäu schen aus Holz. In einem befand sich ein Bernsteinmuseum, in dem wir einige Zeit verbrachten.

Europas größte Dünen

Am frühen Abend machten wir noch einen Halt in Klaipeda, einer anderen an der Ostsee gelegenen Stadt, bevor wir mit dem Bus nach Lettland weiterfuhren.

1.4       Lettland

In Riga hatten wir eine geführte Stadtbesichtigung, bei der wir auch beim sehr schön restaurierten Schwarzhäupterhaus vorbeikamen. In der Altstadt konnte man noch große Teile der erhaltenen Stadtmauern bewundern.

1.5       Estland

Unser erster Stopp in Estland war in Pärnu, einem Kurort an der Ostsee. Dort hatten wir ein paar Stunden Zeit, die wir nutzten, um am Strand spazieren zu gehen.

Unseren letzten Aufenthalt dieser Reise verbrachten wir in Tallin, der Hauptstadt Estlands. Sie ist mit Abstand die größte Stadt, die wir besuchten, mit den meisten wieder hergerichteten Gebäuden. Auch hier gibt es eine Stadtmauer, die jedoch noch fast ganz erhalten ist. An unserem letzten Tag bummelten wir durch die Altstadt Tallins, die für die vielen kleinen Handwerkstätten berühmt ist, tranken einen Kaffee am Stadtplatz und bewunderten das wunderschöne Barockschloss der Zarin Katharina.

Als wir die Heimreise antraten, hatten wir eine aufregende Woche in drei beeindruckenden Ländern verbracht.

1.6       Reflexion

Durch das Gespräch mit den Reiseleitern, aber auch anderen Einheimischen, wurde uns bewusst, dass trotz der Zugehörigkeit zur EU und der Unabhängigkeit die Wunden aus der Zeit der Sowjetunion noch immer nicht ganz verheilt sind. Wenn von Russen die Rede ist, ist das für die meisten Bewohner dieser Länder noch immer ein wunder Punkt, und die Angst, dass die Unabhängigkeit durch Russland wieder gefährdet sein könnte, schwindet erst nach und nach.

Ich hatte vor dieser Reise keine Ahnung von diesem Teil Europas und hatte mir das Baltikum viel „rückständiger“ und ärmer vorgestellt. Deshalb war ich sehr erstaunt, wie schön die alten Teile der Städte restauriert, und die neuen Stadtviertel gepflegt waren.

Dennoch konnte man die Armut in den vielen Dörfern, die wir mit dem Bus durchquerten, noch immer deutlich sehen. Denn in den ländlichen Gebieten, in die kein Geld durch Tourismus und EU-Förderungen kommt, kann man noch immer einen deutlichen Unterschied zu einem Land wie Österreich sehen.

Trotzdem merkte man, dass die Bewohner sehr positiv eingestellt waren, und sich in den nächsten Jahren noch eine starke Verbesserung in ihrem Lebensstandard erwarten.

            Roman: „Alles ist erleuchtet“

Ich habe mich aufgrund des Klappentextes entschieden, diesen Roman zu lesen. Er wurde beschrieben als Suche eines Amerikaners, nach der Helferin seiner Vorfahren im zweiten Weltkrieg. Als ich jedoch zu lesen begann, entpuppte sich die Geschichte viel eher als Verarbeitung, lange verdrängter Geschehnisse. Ich würde das Buch sofort wieder lesen, auch wenn es nicht das war, was ich erwartete.

1.7       Inhalt des Romans

Der Roman spielt in der Ukraine und beginnt damit, dass der amerikanische jüdischstämmige Autor Jonathan Safran Foer nach Odessa fährt, um in dem ehemaligen Schtetl Trachimbrod nach der Frau zu suchen, die seinen Großvater vor den Nazis gerettet hat.

Er beginnt seine Suche mit dem jungen Dolmetscher Alex und seinem fast 80-jährigen Großvater, dem Fahrer.

Zunächst bleibt die kleine Reisegruppe erfolglos, nach einigen Tagen treffen sie jedoch die sehr arme, aber gastfreundliche Lista.

Sie erzählt ihnen, dass von Trachimbrod nichts mehr übrig ist, da es im Krieg von den Deutschen vollständig zerstört worden ist. Sie sei heute die einzige Überlebende. Zusammen machen sie sich auf den Weg zum ehemaligen Ortsplatz des Schtetls, auf dem sich ein Denkmal für die 1.204, 1945 getöteten Menschen befindet.

Lista überlässt Jonathan, Alex und seinem Großvater eine Schachtel mit alten Fotos, die sie sich gemeinsam ansehen.

Sie entdecken ein Bild von Alex Großvater mit seiner Frau Anna. Daraufhin erzählt der Großvater, dass er ursprünglich auch aus Trachmibrod stamme und das Massaker auf dem Ortsplatz miterlebt habe.

Der beste Freund von ihm und seiner Frau war Herschel, ein Jude. Herschel lebte sehr zurückgezogen, hatte keine Familie und auch keine anderen Freunde.

1945 wurden alle Bewohner Trachimbrods gefragt, ob sie einen Juden nennen konnten, taten sie das nicht, wurden sie und ihre Familien erschossen.

Als Alex Großvater an die Reihe kam, war nur noch Herschel übrig, von dem keiner wusste, dass er jüdisch war, da er wenig Kontakt zu anderen Menschen pflegte.

Um seine Familie zu schützen, lieferte der Großvater seinen besten Freund aus, der daraufhin zu den anderen in die Synagoge gesperrt wurde, als die Deutschen diese anzündeten. Da Jonathan nun zumindest einiges über Trachimbrod herausgefunden hatte, kehrte er nach Amerika zurück.

Dort schreibt er einen Roman, den er Kapitel für Kapitel zu Alex in die Ukraine schickt.

Alex schreibt ihm regelmäßig zurück und bekundet, dass er sich Sorgen um seinen Großvater mache, dessen Gesundheitszustand sich laufend verschlechtere.

Eines Tages erhält Jonathan ein Schreiben, in dem Alex ihm mitteilt, dass sich sein Großvater die Pulsadern aufgeschlitzt habe.

1.8       Reflexion

Ich empfand die Geschichte zeitweise sehr bedrückend, denn man kann sich die Ausweglosigkeit der Menschen gut vorstellen.

Was mir aber gefallen hat, war, dass gleichzeitig erzählt wurde, was Jonathan, Alex und sein Großvater erlebt hatten, aber man auch die Erlebnisse von Jonathans Vorfahren mitverfolgen konnte. Außerdem waren zwischendurch immer wieder die Briefe von Jonathan und Alex zu lesen.

Durch diesen Aufbau haben sich drei Geschichten zuerst parallel, dann aber zu einer großen zusammen entwickelt. Wenn es auch am Anfang nicht immer ganz leicht war, zu verstehen, wer gerade was erlebt, machte das den Roman in meinen Augen sehr spannend.

Auch das Ende hatte etwas Besonderes, obwohl es sehr traurig war, aber ich fand die Tatsache, dass der Großvater, obwohl er über 40 Jahre ein normales Leben geführt hatte, seine Entscheidung noch immer nicht verkraftet hatte, sehr bewegend.

Der Autor Jonathan Safran Foer

Es war zwar kein Buch, das ich auf einmal auslesen hätte können, trotzdem hat es mir sehr zugesagt.

 

 

            Biografie: Shirin Ebadi

Diese Biografie ist mein Lieblingsbeitrag in diesem Kulturportfolio. Ich war wirklich begeistert von der in diesem Buch geschilderten Persönlichkeit. Am liebsten würde ich jedem davon erzählen, dieses Portfolio ist zumindest eine kleine Möglichkeit dafür.

1.9       Shirin Ebadis Leben und Wirken

Shirin Ebadi war die erste Richterin im Iran, nachdem sie 1969 ihr Studium in Rechtswissenschaften erfolgreich beendet hatte.

Nach der Islamischen Revolution war sie gezwungen ihr Amt niederzulegen, arbeitete zunächst einige Zeit als Sekretärin beim Gerichtshof, entschloss sich dann aber als Anwältin zu arbeiten.

Sie setzt sich für die Verbesserung der Rechte der Frauen und Kinder im öffentlichen Leben auf Basis der Menschenrechte im islamisch geführten Staat Iran ein. Sie arbeitet auch gegen Missdeutung der Scharia, aufgrund der immer noch Frauen ungerechter Weise zu harten Strafen verurteilt werden.

Sie übernimmt Fälle von Menschen, die mit der Justiz der islamistischen Macht im Iran in Konflikt geraten sind, und versteht sich dabei selber als demokratische Frau moslemischen Glaubens.

Sie bekam als erste Muslimin den Friedensnobelpreis, bei dessen Entgegennahme sie zum Beispiel kein Kopftuch trug, um zu signalisieren, dass in Europa jede Frau selbst entscheiden kann, ob sie ihr Haar bedeckt oder nicht.

2006 wurde sie bei einer Demonstration für die Menschenrechte festgenommen, jedoch zwei Tage später wieder freigelassen. Sie wehrte sich mit rechtlichen Mitteln gegen diese juristisch nicht einwandfreie Methode unbequeme Staatsbürger zu behindern.

Außerdem ist Shirin Ebadi mit einem Ingenieur verheiratet und hat zwei Töchter.

Zitat: “Lasst uns geduldig sein, denn wir haben keine andere Wahl.“

                   Reflexion

Ich war richtig beeindruckt, als ich die Lebensgeschichte dieser Frau gelesen hatte. Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn es mehrere solche Menschen mit Zivilcourage geben würde, die auch aktiv für das, was sie denken, einstehen, und auch wirklich etwas bewegen.

Was mich am meisten gefreut hat war, dass sie auch richtige Erfolge zu verzeichnen hat. Denn was bringen uns Helden, die zwar für eine gute Sache kämpfen, aber doch nie gewinnen? Das ist hier etwas anderes, denn Shirin Ebadi konnte schon vielen ihrer Mandanten helfen, und wird das auch in Zukunft noch tun.

Außerdem gefällt mir, dass sie trotz vieler politischer Missstände im Iran noch immer mit Stolz dazu steht, Iranerin zu sein. Deshalb ist sie auch in der Lage, mit dem was sie sagt, die Menschen zu erreichen, weil sie eine von ihnen ist.

Trotz aller öffentlichen Tätigkeiten, die sie wirklich gut macht, ist diese Frau auch noch privat erfolgreich. Sie führt eine glückliche Ehe und hat zwei Kinder, die sehr stolz auf ihre Mutter sind.

Für mich ist Shirin Ebadi ein modernes Vorbild, ein Idol. Sie weiß was sie will, und was zu tun ist, um Verbesserungen zu erreichen, ohne ungeduldig zu werden. Denn wenn man zuviel erwartet, wird man schnell enttäuscht und dann fehlt nicht mehr viel um aufzugeben. Das wäre wirklich ein Verlust für alle, nicht nur für die Menschen, die von ihren Einsätzen direkt profitieren.

            Film: Das Leben ist schön

Ich habe diesen Film ausgewählt, weil er mein absoluter Lieblingsfilm ist, denn ich kenne kaum welche, die so vielseitig sind.

1.10   Inhalt des Films

Der junge Italiener Guido verliebt sich in die aus einer besseren Familie stammenden Lehrerin Dora. Durch einigen Aufwand gelingt es ihm schließlich sogar die Frau seiner Träume zu erobern.

Die beiden heiraten, Guido eröffnet eine Buchhandlung, und sie bekommen einen Sohn, José. Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus.

Guido und sein Sohn werden in ein Konzentrationslager gebracht, da Guido Jude ist. Dora begleitet die beiden Menschen, die sie liebt, freiwillig.

Um José vor den Grauen des Konzentrationslagers zu bewahren, erzählt er seinem Sohn, alles sei nur ein wochenlanges Spiel auf einem Abenteuerspielplatz, bei dem es einen Panzer zu gewinnen gäbe. Durch viel Aufwand und Schauspielerei gelingt es Guido für seinen Sohn die Vorstellung aufrechtzuerhalten.

Als der Krieg vorüber ist, und die Amerikaner kommen, um das Konzentrationslager zu befreien, befiehlt Guido seinem Kind, sich in einer Kiste zu verstecken. So wird José davor bewahrt, zuzusehen, wie sein Vater von der SS erschossen wird.

Als der Lärm vorüber ist, kriecht José aus seinem Versteck und verlässt das menschenleere KZ. Vor den Toren erwarten ihn amerikanische Soldaten mit einem Panzer, die ihn mitnehmen, um seine Angehörigen zu suchen.

Deshalb glaubt José er habe das Spiel gewonnen und freut sich. Kurze Zeit später entdeckt er seine Mutter, die am Straßenrand steht und auf ihre Familie wartet.

1.11   Reflexion

Als ich den Film zum ersten Mal sah, dachte ich, es handle sich um eine Komödie, da der Beginn außerordentlich witzig ist. Guidos Versuche, Dora für sich zu gewinnen, sind wirklich einzigartig.

Bald wird jedoch klar, dass dies keinesfalls eine seichte Geschichte ist. Trotzdem werden die eigentlich so furchtbaren Ereignisse so dargestellt, dass man als Zuseher sein positives Gefühl nie verliert.

Kaum ein Film kann so traurig und schrecklich, aber zugleich so unbeschwert sein, da man immer wieder versucht ist, alles aus Josés Augen zu sehen.

Ich finde dieser Film ist ein Meisterwerk, das ich mir immer wieder ansehen könnte.

1.12   Der Regisseur und Hauptdarsteller: Roberto Benigni

Er wurde 1952 in der Toskana geboren. Mit 20 Jahren zog er nach Rom und gründete eine Theatergruppe. Er arbeitet fast ausschließlich fürs Kino, zuerst nur als Drehbuchautor und Schauspieler, seit 1983 auch als Regisseur.

1998 bekam er für den wichtigsten Film seiner Karriere „Das Leben ist schön“ zwei Oscars. Einen für den besten Darsteller und einen für den besten ausländischen Film. Ein weiterer Oscar wurde für die Filmmusik von Nicola Piovani vergeben.

 

 

            Roman: A long way down

Eine Freundin hat mir diesen Roman empfohlen, und da ich den Film „About a boy“ von Nick Hornby gesehen habe, war ich auf die Geschichte sehr neugierig. Dieses Buch ist eines, das ich in einer einzigen Nacht ausgelesen habe, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Das ist für mich ein guter Grund, diesen Roman Teil meines Kulturportfolios sein zu lassen.

1.13   Inhalt des Buches

Am Silvesterabend treffen sich vier Menschen, die verschiedener nicht sein könnten, auf einem Hochhausdach um sich umzubringen. Da sie aber irgendwie zu reden anfangen, beschließen sie ihren Selbstmord auf den Valentinstag zu verschieben.

Die seltsame Gruppe besteht aus einem Talkmaster, der früher recht beliebt war, seit er aber eine Affäre mit einer Minderjährigen hatte und deshalb ins Gefängnis musste, ist von seinem Ruhm nur mehr wenig zu spüren. Als ihn auch noch seine Frau wegen eines anderen verlässt und das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder bekommt, sieht er keinen anderen Ausweg mehr.

Jess ist achtzehn, die Tochter eines Politikers und fühlt sich von ihren Eltern unverstanden und zurückgesetzt, da sie nur die Karriere des Vaters im Sinn haben. Hauptsache für die Öffentlichkeit sieht die Familie perfekt aus, wie sich Jess fühlt, nachdem vor einem Jahr ihre ältere Schwester davongelaufen ist, ist den Eltern egal. Nachdem sich auch noch ihr zweifelhafter Freund von ihr getrennt hat, landet auch sie auf dem Hochhaus.

Die 45-jährige Maureen, allein erziehende Mutter eines Schwerstbehinderten, hat in ihrem Leben nichts außer der erschöpfenden Pflege ihres Sohnes, der durch seine Krankheit zu keinen Gefühlsregungen fähig ist.

Der letzte Selbstmordkandidat ist ein nicht sehr erfolgreicher Musiker. Sein bester Freund hat die gemeinsame Band verlassen und auch seine Freundin ist nicht bei ihm geblieben. Da ihn nie etwas anderes interessiert hat als seine Musik, beschließt er zu springen.

Nach anfänglicher Zurückhaltung, kommen alle vier ins Gespräch, beginnen sich für die anderen zu interessieren und sich in deren Leben einzumischen.

Deshalb laden sie alle Angehörigen der anderen ein, um mit ihnen zu reden was schief gelaufen ist. Sie kommen zwar auf keine alles wieder gut machende Lösung, denn für die Angehörigen der Selbstmordkandidaten ist das Leben weitergegangen.

Als sie sich am Valentinstag treffen um Bilanz zu ziehen, kommen sie dahinter, dass es doch Gründe gibt zum Weiterleben.

Maureen ist jetzt Mitglied im Bingo-Club, der jede Woche treffen veranstaltet. Dieses bisschen Gesellschaft hilft schon, um ihr wieder Mut zu machen.

Der Musiker „arbeitet“ als Straßenmusikant, was ihn aber sehr zufrieden macht, weil ihm nichts soviel bedeutet wie seine Musik.

Auch Jess und der Talkmaster lernen, dass auch ihr Leben weitergeht, wenn sie es nur wollen.

Am Ende ihrer sechs Wochen ist zwar keiner überglücklich, aber auch nicht mehr tieftraurig und verzweifelt und jeder hat wieder irgendeinen Grund zum Leben.

1.14   Reflexion

An diesem Buch hat mir das Ende besonders gut gefallen. Denn es ist kein einfaches Happy-End, bei dem sich alle Konflikte wie durch Zauberhand einfach in Luft auflösen. Trotzdem entdeckt jeder Protagonist etwas wofür es sich zu leben lohnt.

Das war ganz nach meinem Geschmack, denn die Wirklichkeit ist auch nicht frei von Spannungen, und ich glaube, jeder kennt die Situation, in der man glaubt, es geht nicht mehr weiter. Dennoch wird alles wieder besser, wenn man es nur zulässt.

Man kann den Hauptpersonen richtig „zusehen“ wie sie dieses „Zulassen“ lernen, und diese Entwicklung ist auch der Grund warum ich dieses Buch als so positiv empfinde.

1.15   Der Autor Nick Hornby

Auch wenn dieser Roman nicht autobiografisch ist, kann man einige Parallelen zu Hornbys eigenem Leben entdecken.

Hornby hat selbst einen 11-jährigen geistig behinderten Sohn. Auch die Angst, mit der Berühmtheit nicht klarzukommen, ist ihm als Bestsellerautor, nicht unbekannt. Selbst geschieden, kennt er auch das Gefühl, das alles zerbricht.

Weitere Werke:

Fever Pitch

Nick Hornby

High Fidelity

About a Boy

Ein Mann für eine Saison

 

 

            Film: Grbavica

Mich haben die Hintergründe und Begebenheiten des Balkankriegs schon länger interessiert, deshalb wollte ich den Film unbedingt sehen, als mir davon erzählt wurde. Irgendwie ist dieses Thema auch etwas, das mich persönlich berührt, da ich auch einige Menschen persönlich kenne, die in diesem Krieg geflüchtet und nach Österreich gekommen sind.

Auch wenn ich mich mit den Begebenheiten beschäftigt habe, ist es für mich sehr schwer vorstellbar, dass Menschen, die ich kenne, solche Grausamkeiten selbst erlebt haben.

1.16  

DerStadtteil Grbavica

Inhalt des Films

Esma ist allein erziehende Mutter und lebt mit ihrer 12-jährigen Tochter Sara in Grbavica, einem Stadtteil Sarajevos.

Die zwei verstehen sich sehr gut, doch es gibt natürlich auch Konflikte zwischen Mutter und Tochter, wie sie in jeder Familie vorkommen.

Sara möchte bei einem Schulausflug mitfahren, und um ihr das zu ermöglichen arbeitet ihre Mutter in einem Nachtclub. Die beiden bekämen staatliche Unterstützung, wenn Esma beweisen könnte, dass Saras Vater als Kriegsheld gestorben ist, was sie Sara immer erzählt hat.

Doch die Mutter kann den Nachweis nicht besorgen, und sie scheint etwas vor ihrer Tochter zu verbergen.

Sara stellt viele Fragen, und eines Tages kommt die schockierende Wahrheit ans Licht.

Esma ist eines von vielen Opfern der systematischen Vergewaltigung von Bosnierinnen im Balkankrieg und Sara ist die Tochter des Vergewaltigers ihrer Mutter.

Mutter und Tochter müssen lernen mit den schrecklichen Tatsachen zu leben, obwohl Esma, die zwischen der grauenhaften Erinnerung an die Vergewaltigung und der Liebe zur Tochter hin und her gerissen ist, dieses furchtbare Geheimnis all die Jahre vor ihrem Kind verborgen hat.

1.17   Reflexion

„Grbavica“ war einer der außergewöhnlichsten Filme, die ich gesehen habe und zwar deshalb, weil er seine Geschichte auf ganz unspektakuläre Weise erzählt.

Es wird einem nahe gebracht, was Kriege oft hinterlassen, ohne dass es für die Öffentlichkeit sichtbar ist.

Die Auseinandersetzung mit den Schrecken des Balkankrieges finde ich auch deshalb besonders wichtig, weis diese Taten nicht vor langer Zeit passiert sind, sondern in den letzten zwanzig Jahren, und ich zu dieser Zeit schon auf der Welt war.

Es gibt ja unzählige Flüchtlingsgeschichten, aber diese ist anders, denn es gibt keine Rückblenden zum vergangenen Grauen, sondern es passiert alles in der Gegenwart. Was ich so berührend fand ist, dass das Erzählte deshalb nichts von seiner Aktualität verliert.

Trotz aller Fakten, die einem in diesem Film nach und nach erklärt werden, ist er alles andere als ein Sachfilm, sondern ein mitreißendes Drama, bei dem die Hauptpersonen dahinter kommen, dass sie das Gewesene nur hinter sich bringen können, in dem sie es nicht verdrängen, denn sie Erinnerung holt sie ein.

Man kommt aber dahinter, dass „Grbavica“ nicht nur die Verbrechen eines grausamen Krieges beleuchten will, sondern die Geschichte von Mutter und Tochter erzählt, die mit der Vergangenheit klar kommen müssen, um in der Gegenwart leben zu können.

            Ballett: Romeo und Julia

Romeo und Julia war das erste Ballett, das ich jemals gesehen habe, deswegen war ich sehr gespannt was auf mich zukommt. Ich schreibe über diese Aufführung im Kulturportfolio, weil es für mich eine neue Erfahrung war, eine ganze Geschichte nur durch Bewegung und Musik vermittelt zu bekommen.

1.18   Inhalt des Balletts

Auf einem Maskenball lernen sich die Kinder der zwei verfeindeten Familien, Montague und Capulet kennen. Romeo und Julia verlieben sich sofort, und da sie wissen, dass ihre Eltern niemals mit ihrer Verbindung einverstanden wären, lassen sie sich heimlich trauen. Bald darauf kommt es zu einem heftigen Streit zwischen Romeos bestem Freund und einem Verwandten von Julia, der mit einer tödlichen Verletzung von Romeos Freund endet.

Romeo will diese Tat rächen und bringt Julias Verwandten um, worauf er aus der Stadt Verona verbannt wird.

An diesem Tag wird Julia mitgeteilt, dass sie einen jungen Grafen heiraten soll. In tiefer Verzweiflung nimmt sie einen Betäubungstrank zu sich, der sie in einen toten­ähnlichen Zustand versetzen soll. Romeo hört zufällig von Julias angeblichem Tod und in seinem Schmerz bringt er sich in der Gruft der Capulets mit Gift um.

Als Julia aufwacht und ihren geliebten Ehemann tot vorfindet, nimmt sie seinen Dolch und ersticht sich selbst.

Erst am Grab ihrer so jung verstorbenen Kinder versöhnen sich die verfeindeten Eltern.

1.19   Reflexion

Als ich in dieses Ballett ging, wusste ich eigentlich nicht, was auf mich zukommt, da ich noch nie eines gesehen hatte. Mir war klar, dass die Geschichte durch Tanz zum Ausdruck gebracht werden würde, aber ich musste mich doch etwas daran gewöhnen, dass in der gesamten Vorstellung niemand spricht.

Da ich die Handlung des Stücks kannte, war es für mich zum Glück nicht schwer, die Geschichte zu verfolgen. Aber ich glaube nicht, dass ich sonst alles mitbekommen hätte.

Ich war wirklich erstaunt, wie vielfältig diese Art von Tanz ist, denn ich hatte mich vorher noch nie wirklich mit Ballett beschäftigt. Es wirkt so leicht, wenn die Künstler richtiggehend über die Bühne schweben.

Die Vorstellung hat mir gefallen, weil das Ballett natürlich anders war, als alle Vorstellungen, die ich bisher gesehen habe.

Ich muss aber zugeben, dass es gegen Ende hin etwas anstrengend wurde, den Tänzern zuzuschauen. Denn ein bisschen eintönig fand ich es mit der Zeit schon.

Dennoch war diese Vorstellung eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte, weil ich glaube, dass man alles einmal ausprobieren sollte, um dahinter zu kommen, was einem zusagt.

            Roman: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Ich habe diese Geschichte über die Suche nach dem Glück gelesen, weil es das Lieblingsbuch einer Freundin ist. Nachdem ich es auch gelesen hatte, war ich genauso begeistert wie sie, darum wollte ich diese, wie ich finde, außergewöhnliche Erzählung, teil meines Kulturportfolios sein lassen.

1.20   Inhalt des Buches

Hector ist ein ziemlich guter Psychiater, denn er hört seinen Patienten zu und ist interessiert an dem, was sie ihm erzählen. Eigentlich ist er ganz zufrieden mit seinem Leben. Trotzdem beschließt er eines Tages eine große Reise zu machen um herauszufinden, warum er keinen seiner Klienten richtig glücklich machen kann.

Während seine Freundin Clara zuhause bleibt, begibt er sich auf eine Reise um das Glück zu suchen.

Zuerst erreicht er China, dort trifft er einen alten Freund, der allerdings nur arbeitet, keine Familie hat, und mit seinem Leben heillos überfordert ist. Außerdem schließt er Bekanntschaft mit einer jungen Chinesin, die ihm einiges über ihr Leben erzählt. Seine zweite Station sind die USA, die er das „Meist-Land“ nennt. Dort ist er zu Gast bei einem renommierten Glücksspezialisten.

Als nächstes kommt er nach Afrika, dort lernt er einen menschenfreundlichen Arzt und einen Drogenbaron kennen. Im Flugzeug unterhält er sich mit einer jungen Afghanin, die ihm ihre traurige Geschichte erzählt.

Er trifft viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ansichten auf seiner Reise und alle fragt er dasselbe: „Sind sie glücklich?“ Die meisten Befragten reagieren richtig verstört, denn keiner rechnet mit so einer Frage und keiner hat eine einfache Antwort parat. Dennoch teilen ihm alle ihre Ansichten über das Glück mit. Hector notiert alles in einem Büchlein und formuliert im Laufe seiner Suche 23 Lektionen um das Glück zu finden:

Lektion 7: Es ist ein Irrtum zu glauben, Glück wäre das Ziel.

Lektion 9: Manchmal bedeutet es Glück etwas nicht zu begreifen.

Lektion 11: Glück ist eine Sichtweise der Dinge.

Am Ende der Reise zeigt er seine Erkenntnisse einem buddhistischen Mönch, der ihm auch noch seine Meinung näher bringt.

Als Hector wieder zuhause ist, liest er sich seine Aufzeichnungen durch und kommt dahinter, dass das Glück überall vorkommt, man es nur als solches erkennen muss.

Deshalb heiratet er nach seiner Rückkehr Clara, die beiden sind glücklich und bekommen einen Sohn, der Psychiater wird, wie sein Vater.

1.21   Reflexion

Als ich dieses Buch gelesen hatte, war ich glücklich.

So viele Menschen sind immer auf der Suche nach dem, was sie glauben, dass sie endlich zufrieden werden lassen könnte. Auf dieser Jagd nach dem Glück, hat man aber keine Zeit mehr, sich an den vielen kleinen Dingen zu erfreuen, die einem so viel bedeuten könnten, wenn man sie nur bemerken würde.

In diesem Buch wird einerseits diese fanatische Suche der Menschen durch Hectors Bekanntschaften aufgezeigt, andererseits findet auch jeder sein Rezept fürs Glück, wenn er nur einmal, durch Hector inspiriert, darüber nachdenkt. Meiner Meinung nach ist das das besondere an diesem Buch.

Es wird einem selber wieder einmal bewusst, dass es eigentlich ganz leicht sein könnte, mit sich und seinem Leben zufrieden zu sein.

1.22   Der Autor Francois Lelord

Francois Lelord studierte Medizin und Psychologie und arbeitete einige Zeit and der University of California. Danach war er Oberarzt in Paris, bevor er 1989 eine eigene Praxis in Paris gründete.

Von 1996 bis 2004 beriet er Unternehmen im Bereich Arbeitszufriedenheit. Seit 2004 praktiziert er als Psychiater.

Er schrieb mehrere Fachbücher zu psychologischen Themen und drei Romane um den Psychiater Hector.

 

 

            Hans im Glück

1.23   Inhalt des Volksmärchens:

Hans hat sieben Jahre für seinen Arbeitgeber gearbeitet und will nun heim zu seiner Mutter. Er bekommt einen Klumpen Gold als Lohn und macht sich auf den Weg. Schwer an dem Klumpen tragend, trifft er einen Reiter und tauscht sein Gold gegen das Pferd ein. Das Pferd aber wirft Hans ab, und so ist er froh, es gegen eine Kuh zu tauschen, die ein vorbeikommender Bauer vor sich her treibt. Als er versucht, das Tier zu melken, gibt es dem Ungeübten einen Tritt.

Da kommt ein Metzger vorbei, und Hans tauscht die unergiebige Kuh gegen dessen Schwein. Bisher ging alles nach Wunsch, so denkt sich Hans: Jeder Ärger verschwand, sobald er auftrat. Ein Weilchen begleitet ihn nun ein junger Bursch mit einer Gans. Der erzählt ihm, das Schwein könnte gestohlen sein, nach dem Dieb würde schon gesucht. Auf Hans’ Bitten tauscht der Bursche seine Gans gegen das Schwein.

Als nächstes begegnet Hans einen Scherenschleifer, der ihm rät, auch ein Schleifer zu werden, damit könnte man viel Geld verdienen. So tauscht Hans seine Gans gegen einen Wetzstein und einen Stein zum Klopfen. Bald wird er durstig und legt seine Steine auf den Rand eines Brunnens. Als er sich hinabbeugt, um zu trinken, stößt er versehentlich an die Steine, die daraufhin in den Brunnen fallen. Da dankt er Gott mit Tränen in den Augen: Die schweren Steine waren das letzte, was ihm noch hinderlich gewesen ist. Frei von aller Last und glücklich kommt er heim zu seiner Mutter.

1.24   Charakteristik

Wenn man sich mit der Person des Hans im Glück beschäftigt, fällt einem zunächst auf, dass er sehr einfältig oder sogar dumm sein muss.

Dennoch ist er immer zufrieden mit dem was er hat.

Wegen seiner Naivität und Gutgläubigkeit wird er immer wieder betrogen, bis er nichts mehr hat. Doch Hans sieht immer das Gute in allem und freut sich über das, was er gewonnen hat. Er nimmt das Leben wie es kommt und trauert niemals Vergangenem nach.

Das ist wohl die Eigenschaft, die ihn so zufrieden macht, denn er fragt nicht „Warum“, sondern macht das Beste aus dem was er bekommen hat.

1.25   Gebrüder Grimm

Der Germanist Jacob Grimm arbeitete von 1830-1837 als Professor in Göttingen, wurde jedoch – genauso wie sein Bruder – als Mitverfasser des politischen Protestes der »Göttinger Sieben« von seinem Amt enthoben.

1841 holte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Brüder als Mitglieder an Akademie der Wissenschaften nach Berlin. Zu den Werken Jacobs gehören die »Deutsche Grammatik« (1819-1837) und die »Geschichte der deutschen Sprache« (1848).

Der Germanist Wilhelm Grimm begründete zusammen mit seinem Bruder Jacob Grimm und Karl Lachmann (1793-1851) die deutsche Philologie: das »Deutsche Wörterbuch« in 16 Bänden entstand ab 1854 (fertig gestellt wurde das Mammutwerk erst 1961!).

Wilhelm erforschte die Dichtung des Volkes und des Mittelalters. Zusammen mit Jacob brachte er die »Kinder- und Hausmärchen« (1812-1815) heraus. 1829 erschien sein Werk »Die deutsche Heldensage«.

            Des Kaisers neue Kleider

1.26   Inhalt des Kunstmärchens:

Es lebte einmal ein eitler Kaiser, der sich um nichts anderes als um seine Kleidung kümmerte. Zwei Betrüger, die sich als Weber ausgaben, versprachen ihm, die wunderbarsten Stoffe für ihn anzufertigen und daraus Kleider zu schneidern. Die seien so leicht wie Spinnweben, behaupten sie, aber weder dumme noch für ihr Amt ungeeignete Menschen könnten sie sehen. Begeistert nimmt der Kaiser die Betrüger in seinen Dienst und zahlt ihnen ein fürstliches Honorar.

Nach einiger Zeit schickt der Kaiser seinen alten Minister hin, um sich nach dem Fortschritt der Arbeit zu erkundigen. Der Minister erschrickt, als er auf den Webstühlen weder Garne noch Stoffe sieht, obwohl die Betrüger eifrig tätig zu sein scheinen. Weil er nicht zugeben will, dass er entweder dumm oder für sein Amt ungeeignet ist, berichtet er dem Kaiser von den wunderbaren Farben und Mustern, die er angeblich gesehen hat. Des Kaisers neue Kleider sind Gesprächsthema in der ganzen Stadt.

Schließlich begibt sich der Kaiser persönlich mit seinem Gefolge zu den Webern, um nach den Kleidern zu sehen. „Ja, ist das nicht prächtig?“, sagen die beiden Staatsmänner, die bereits über den Stand der Dinge berichtet hatten. Der Kaiser sieht nichts, will aber auch nicht für dumm oder unfähig gelten, lobt die gar nicht vorhandenen herrlichen Stoffe und ernennt die Betrüger zu Hofwebern.

Rechtzeitig für ein großes Fest werden die Kleider angeblich fertig.

Zwei privilegierte Kammerherren greifen in die Luft, als wollten sie die Schleppe tragen, und der Kaiser schreitet unter dem Thronhimmel durch die Straßen. Die Menschen, die seinen Weg säumen, bestaunen die prächtigen neuen Kleider des Kaisers – bis ein kleines Kind ruft: „Aber er hat ja gar nichts an!“

Erst jetzt bemerken auch das Volk und der Kaiser, dass sie einem großen Schwindel zum Opfer gefallen sind.

1.27   Hans Christian Andersen

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 in Odense als Sohn eines dänischen Schusters geboren. Besessen von dem Ziel, berühmt zu werden, verließ er mit vierzehn sein ärmliches Elternhaus und ging allein nach Kopenhagen.

1822 ermöglichte König Friedrich VI. von Dänemark dem begabten Siebzehnjährigen den Besuch der Lateinschule in Slagelsen. Ein Jahr nach dem Abitur (1828) bestand Hans Christian Andersen auch das Philosophikum.

Hans Christian Andersen verfasste unter anderem auch Dramen und Erzählungen. Weltberühmt wurde er durch seine mehr als einhundertsechzig Märchen. Dabei bearbeitete er Volksmärchen, bis sie seinen literarischen Ansprüchen genügten und von Kindern verstanden werden konnten. Zugleich achtete er darauf, dass seine romantischen Kunstmärchen wie gesprochen klingen.

Hans Christian Andersen starb am 4. August 1875 in Kopenhagen.

1.1       Kommentar:

In dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ belegt der Autor, wie wichtig es uns ist, was andere über uns denken. Jeder Mensch steht unter dem Druck, der Gesellschaft gerecht zu werden.

An erster Stelle steht natürlich der Kaiser, der den Vorstellungen des ganzen Volkes genügen will.

Auf der anderen Seite sind die Menschen, die vor dem Kaiser und ihren Mitmenschen möglichst gut dastehen wollen.

Nur ein kleines Kind, dem es egal ist, was alle anderen denken, wagt es zu sagen, was eigentlich offensichtlich ist.

Erst jetzt, trauen sie sich gemeinsam zu ihren Erfahrungen zu stehen. Ich glaube, wenn man öfter zu seiner Meinung steht, kommt man vielleicht dahinter, dass man nicht ganz allein mit seiner Einstellung ist. Diesen Leuten fehlte vielleicht auch nur der Mut zu ihrer Meinung zu stehen.

            Der Richter und sein Henker

1.2       Inhalt des Kriminalromans:

                             Auffinden der Leiche

Der Dorfpolizist Clenin findet den ermordeten Polizisten Schmidt am Straßenrand auf.

Auftrag zur Untersuchung der Leiche

Schmieds Vorgesetzter, Kriminalkommissar Hans Bärlach, übernimmt die Leitung der Ermittlungen, erbittet sich jedoch wegen seines Alters einen Mitarbeiter. Sein Name ist Tschanz.

                             Beginn der Ermittlungen

Als Erstes fährt Bärlach zu Frau Schönler, der Vermieterin des Ermordeten, gibt vor, der Kollege sei dienstlich verreist und habe ihn gebeten, dringend benötigte Unterlagen nachzuschicken. Eine Schreibmappe nimmt er mit.

Bärlach und Tschanz beobachten die Straße, an der der Tote gefunden wurde und bemerken mehrere Limousinen. Die Kriminalisten folgen ihnen und gelangen zu der abgelegenen Villa eines gewissen Herrn Gastmann. Unmittelbar bevor sie zusammentreffen, wird Bärlach von einem riesigen Hund angefallen, aber Tschanz erschießt das Tier.

                             Erfahren von der Wette

Als Bärlach nach Hause kommt, sitzt Gastmann am Schreibtisch und blättert in der Mappe, die der Kommissar aus Schmieds Wohnung mitnahm. Die beiden kennen sich. Vor vierzig Jahren waren sie in einer Kneipe in Istanbul ins Gespräch gekommen. Als sie schon einiges getrunken hatten, diskutierten sie darüber, ob der Zufall die Verbrecher eher begünstige oder nicht.

Drei Tage später stieß Gastmann einen deutschen Kaufmann von einer Brücke. Bärlach sprang zwar hinterher, konnte aber den Ertrinkenden nicht retten und geriet stattdessen selbst in Not. Er ließ Gastmann festnehmen und verhören, aber Gastmann kam frei.

Ohne von Gastmanns Besuch bei Bärlach erfahren zu haben, fährt Tschanz mit seinem Vorgesetzten zu einem Schriftsteller, der häufig in Gastmanns Villa gewesen sein soll.

                             Tschanz versucht Bärlach aus dem Weg zu schaffen

Nachts um 2 Uhr wacht Bärlach auf und hört Geräusche. Jemand schleicht in seiner Wohnung herum. Er greift nach seinem Revolver und steht auf, aber der Einbrecher wirft im Dunkeln ein Messer nach ihm und entkommt.

                             Bärlach treibt Tschanz zum 3-fachen Mord

Während Bärlach sich in Grindelwald nach Tschanz umhört, nähert dieser sich der Villa Gastmanns. Die Tür steht offen. Er geht hinein – und steht plötzlich vor dem Hausherrn, zwei Dienern und einem Stapel gepackter Koffer. Die drei Männer sind reisefertig. Ein Diener zieht einen Revolver heraus und feuert auf den Eindringling. Tschanz schießt zurück und tötet Gastmann und die beiden Diener.

Die Unterlagen, die bei der Durchsuchung der Villa sichergestellt werden – darunter Ulrich Schmieds Mappe –, beweisen, dass es sich bei Gastmann um einen Verbrecher handelte. Bärlachs Vorgesetzter nimmt an, dass damit auch der Mordfall Ulrich Schmied gelöst ist:

                             Bärlach vermittelt Tschanz die Vorstellung, er sei nicht krank sei

Angeblich um den Erfolg zu feiern, lädt Bärlach seinen jungen Mitarbeiter Tschanz zum Essen ein. Er begreift, dass der erfahrene Kommissar ihn längst durchschaut hat Als er auf Schmieds Schreibtisch die Mappe mit dem Belastungsmaterial gegen Gastmann entdeckte, beschloss er, seinen Kollegen zu töten, um endlich selbst einen großen Ermittlungserfolg vorweisen zu können.

                             Man erfährt vom Urteil Bärlachs

Bärlach verrät seinem Besucher, er habe bei dem Angriff von Gastmanns Hund einen Armschutz wie ein Hundetrainer getragen und den Vorfall absichtlich herbeigeführt, um an ein Projektil aus der Waffe des Untergebenen heranzukommen, das er mit dem am Tatort gefundenen vergleichen konnte. Bärlach weiß auch, dass Tschanz der nächtliche Einbrecher in seiner Wohnung war. Dem wird bewusst, dass der Kommissar mit ihm gespielt hat.

Sein halbes Leben hatte er versucht, Gastmann zu stellen. Schmied war seine letzte Chance. Als Tschanz ihm diese zerstörte, beschloss er Tschanz selbst zu benutzen.

Er hatte Tschanz und Gastmann aufeinander gehetzt.

Bärlach hat nicht vor, Tschanz festzunehmen oder zu verraten. Er will ihn nur nicht mehr sehen und schickt ihn fort.

                             Tschanz stirbt

Am anderen Morgen erfährt er, dass Tschanz mit seinem Wagen von einem Zug erfasst wurde und tot ist.

                             Aussage:

Gut und schlecht lässt sich nicht leicht trennen. Gerechtigkeit und Recht sind zwei verschiedene Dinge. Der „Böse“ wird für etwas bestraft, dass er nicht getan hat. Auf legale Weise kann der Gerechtigkeit nicht genüge getan werden.

1.3       Autor: Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt ist am 5.1.1921 in Konolfingen (Kanton Bern) geboren, am 14.12.1990 in Neuchatel gestorben.

(Ein berühmter Zeitgenosse war Max Frisch. Er war Epiker und lebte von 1911–1991.)

Dürrenmatt war der Sohn eines Pfarrers. Er besuchte in Bern das Gymnasium, dann studierte er in Zürich und Bern Theologie, Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften. Er wollte Maler werden. Er schrieb aber schon in den 40er Jahren Erzählungen, und 1947 brachte sein Drama Es steht geschrieben ein Theaterskandal.

Ab 1952 lebte Dürrenmatt in Neuchatel. Mit dem Drama Der Besuch der alten Dame (1956) hatte er einen Welterfolg.

                             Wichtige Werke:

Es steht geschrieben (Drama, 1947)

Der Richter und sein Henker (Roman, 1952)

Theaterprobleme (Essays, 1955)

Der Besuch der alten Dame (Drama, 1956)

Die Physiker (Drama, 1962)

 

1.4       Charakteristik der Hauptperson:

Der alternde Kommissar Bärlach wurde im Laufe seines Lebens zu einem sehr verbissenen Polizisten.

Er besteht auf Gerechtigkeit und ist beinhart, wenn es darum geht diese durchzusetzen. Er ist auch bereit für seinen Gerechtigkeitssinn das Gesetz zu dehnen.

Er ist kein Mensch, der wenn auch schon lange vergangene Vorfälle ruhen lassen kann, oder diese verjähren lässt.

Bärlach versucht auch seine älteste Rechnung zu begleichen. Er arbeitet ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, übliche Methoden oder seine Vorgesetzten, doch genau diese Eigenschaften machen ihn zu einem oft skrupellosen, aber genialen Polizisten.

            Das Hildebrandslied:

Das Thema des Liedes stammt aus der Zeit der Völkerwanderungen im 4. Jahrhundert und führt den Leser in den ostgotischen Sagenkreis um Theoderich den Großen (Dietrich von Bern) und seinen Waffenmeister Hildebrand zurück. Weil die Handschriftenschreiber auf den Deckblättern keinen Platz mehr hatten, bricht das Lied kurz vor Ende als Fragment plötzlich ab.

1.5       Inhalt des Hildebrandsliedes:

Der Waffenmeister Hildebrand folgte seinem Dienstherrn Dietrich von Bern (Theodorich), der sein Reich an Odoaker verlor, 30 Jahre lang in die Verbannung in den Osten. Sein kleiner Sohn Hadubrand blieb bei der Mutter zurück und stieg bei Odoaker zum Heerführer auf. Das Lied berichtet von dem Treffen des Vaters und des Sohnes nach 60 Wintern und Sommern an der Grenze des Reiches, als Hildebrand an der Spitze eines Heeres das ehemalige Land seines Dienstherrn zurückgewinnen will. Er wird von seinem eigenen Sohn zum unausweichlichen Kampf herausgefordert. Dem Hauptthema des Heldenliedes getreu, finden wir hier menschliche Größe im Untergang.

            Das Nibelungenlied

Inhaltlich lässt sich das Epos am besten in zwei Teile gliedern. Der erste Teil erzählt die Geschichte von Siegfried und Kriemhild, der zweite von Kriemhilds Rache an den Nibelungen.

1.6       Inhalt Nibelungenliedes:

                             1.Teil

Siegfried ist der Sohn von Sieglinde und König Sigmund und wuchs in Xanten am Niederrhein auf. Als Siegfried von der Schönheit Kriemhilds erfährt, fasst er den Entschluss, nach Worms zu ziehen und um sie zu werben. Siegfried lebt nun einige Zeit bei den Burgundern, immer in der Hoffnung, eines Tages um Kriemhilds Hand anzuhalten.

Auch Kriemhild verliebt sich in Siegfried. Als nun König Gunther von Königin Brünhild von Island hört, beschließt er, um sie zu werben. Mit der Aussicht, Kriemhild zur Frau zu erhalten, verspricht Siegfried, Gunther bei der Brautwerbung zu helfen. Tatsächlich überlisten Siegfried und Gunther Brünhild. Mit Hilfe der Tarnkappe aus dem Nibelungenschatz wird Siegfried unsichtbar und trickst Brünhild im Wettkampf gegen Gunther aus. So wird sie Gunthers Frau und Kriemhild wird mit Siegfried vermählt. Als Siegfried Brünhilds Widerstand bricht, stiehlt er ihr nach dem Kampf ihren Ring und ihren Gürtel und schenkt beides seiner Frau Kriemhild

Siegfried und Kriemhild ziehen dann nach Xanten. Auf Brünhilds Wunsch laden die Burgunder Siegfried und Kriemhild nach Worms ein. Dort jedoch geraten Kriemhild und Brünhild in Streit. Kriemhild berichtet Brünhild, dass Siegfried, nicht Gunther, sie besiegt hat und zeigt ihr den gestohlenen Ring. Hagen plant nun, Brünhilds Schmach zu rächen. Mit der Vorgabe, Siegfried beschützen zu wollen, entlockt Hagen Kriemhild Siegfrieds Geheimnis. Nachdem Siegfried in seiner Jugend den Drachen erschlug, badete er in dessen Blut, um Unverwundbarkeit zu erlangen. Nur an einer Stelle ist er unverwundbar. Während der Jagd ermordet Hagen Siegfried mit dessen eigenem Speer. Dreieinhalb Jahre lang spricht sie nicht mehr mit Gunther und Hagen, dann versöhnt sie sich wieder mit Gunther. Die Männer überreden Kriemhild, den Hort der Nibelungen als die ihr zustehende Morgengabe nach Worms zu holen. Er stiehlt den Hort der Nibelungen und versenkt ihn im Rhein. So endet der erste Teil des Epos.

                             2.Teil

Im zweiten Teil willigt Kriemhild in die Heirat mit Hunnenkönig Etzel ein. So zieht sie mit ihrer Gefolgschaft zu Etzel. Nach zwölf Jahren überredet Kriemhild Etzel, ihre Brüder und deren Gefolgsleute nach Etzelburg einzuladen. Sie gibt vor, Sehnsucht nach ihnen zu haben, aber in Wirklichkeit will sie Rache für Siegfried nehmen.

Nach der Ankunft in Etzelburg sucht Kriemhild nach einer Möglichkeit, die Burgunder anzugreifen, aber sie sind vorsichtig. Trotzdem nehmen die burgundischen Ritter am Wettkampf teil. Der Kampf beginnt als tausende Ritter angegriffen werden. Daraufhin erschlägt Hagen Kriemhilds Kind Ortlieb. Im weiteren Verlauf verlieren viele tausend Ritter Etzels das Leben. Etzel selber kämpft nicht.

Am Ende verspricht Kriemhild die Gefangenen zu schonen, um aber von Hagen das Versteck des Nibelungenhortes zu erfahren, lässt sie Gunther töten. Als Hagen ihr dann immer noch nicht das Versteck verraten will, köpft Kriemhild ihn mit Siegfrieds Schwert. Daraufhin tötet Hildebrand, ein Gefolgsmann Dietrichs, Kriemhild, da sie es als Frau wagte, einen Ritter zu töten. So endet das Nibelungenlied.

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Uhrwerk Orange

Clockwork Orange

 

Auswahl:

Dieser wohl bekannteste Film des Regisseurs Stanley Kubrick war zur Zeit seiner Entstehung eine Zukunftsvision. Es gibt zwar viele Werke, die bei ihrer Veröffentlichung Empörung oder Aufregung provozierten, die wenigsten behalten diese Wirkung aber über Jahrzehnte. Dieser Film, genauso wie seine Romanvorlage ist ein Paradebeispiel für ein skandalöses Kunstwerk. Dazu kommt, dass dieser Film Kultstatus hat, und dieses Werk ein, wenn auch sehr umstrittenes kulturelles Gut ist.

    

Inhalt[1]

Alex, welcher den ganzen Film erzählt, ist ein ausgesprochener Beethoven-Liebhaber und Anführer einer Jugendbande – den Droogs. Die Gang lebt im trostlosen Vorort eines verfremdeten Londons. Sie verständigen sich in einem von russischen Brocken durchsetzten Jargon („Nadsat“). Ihr Leben dreht sich um Gewalt an Wehrlosen, Schlägereien mit anderen Gangs, Vergewaltigungen und Raubüberfälle. Vor allem für Alex scheint Geld hierbei eine geringe Rolle zu spielen. Das Zelebrieren und lustvolle Genießen von Gewalt steht für den Anführer der Bande im Vordergrund. So überfallen sie zu viert einen wehrlosen alten Stadtstreicher. Eines nachts dringen sie maskiert in die Villa eines Schriftstellers und seiner Frau ein; Alex vergewaltigt die Frau und singt während des Einbruchs „I’m singin’ in the rain“. Im Laufe der Zeit beginnt es in der Gruppe zu kriseln. Den anderen Mitgliedern ist die Art und Weise von Alex’ Führungsstil zu autoritär. Bei einem ihrer Überfälle geschieht das längst Vorhersehbare: Bei dem Einbruch in das Haus einer allein stehenden Frau, die dabei ums Leben kommt, wird Alex von seinen „Droogs“ verraten und der anrückenden Polizei überlassen. Er wird als Mörder zu vierzehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Im Gefängnis schmeichelt er sich beim Gefängnispastor ein und wird als Versuchsobjekt für die „Ludovico-Technik“ ausgewählt, welche von der Regierung als Erfolg versprechendster Versuch der Wissenschaft gefördert wird, die Resozialisierung von Kriminellen zu erreichen und so zur Entlastung der überfüllten Gefängnisse beizutragen. Alex wird deshalb in die medizinische Anstalt Ludovico überwiesen. Die Methode wird Aversionstherapie genannt:

Durch ständige Konfrontation des Patienten mit Gewaltszenen aus Filmen in Kombination mit einem verabreichten Serum, welches extremes Unwohlsein und Schmerzen auslöst, sollen Gewalt und kriminelles Handeln mit der negativen Wirkung des Serums assoziiert werden. Diese Konditionierung soll den Patienten zukünftig davon abhalten Gewalt, insbesondere auch sexueller Motivation, anzuwenden.

Am Ende der vierzehntägigen Therapie wird Alex als geheilt entlassen. Die Auswirkungen der Therapie jedoch sind verheerend: Beim geringsten Gedanken an Gewalt oder sexuelle Handlungen wird sein Handlungs- und Urteilsvermögen durch die Auswirkungen der Therapie, nämlich Übelkeit, akuten Brechreiz und große Schmerzen, rigoros unterdrückt. Alex wird, aufgrund seiner Reaktion, zu einem wehr- und willenlosen Menschen. Als unbeabsichtigter Nebeneffekt treten diese Symptome auch beim Hören von Beethovens 9. Sinfonie auf, die während der Therapie im Hintergrund lief.

Nach seiner Entlassung muss Alex feststellen, dass sich seine Eltern von ihm abgewendet und sein Zimmer an einen Untermieter vermietet haben. Jetzt fällt die Gewalt, die er einst ausübte, auf ihn selbst zurück: An der Themse trifft er den alten Stadtstreicher, den er einst mit seiner Gang zusammengeschlagen hatte, und der nun seine Wut mit anderen Obdachlosen an ihm auslässt. Nur scheinbar gerettet wird Alex von zwei seiner alten „Droogs“, die mittlerweile Polizisten sind und sich ebenfalls an ihm rächen, indem sie ihn in den Wald fahren und brutal verprügeln. Halbtot schleppt sich Alex zu einer Villa ohne zu bemerken, dass er dort zuvor den Überfall auf den Schriftsteller und seine Frau verübt hatte. Der Schriftsteller, der durch den Überfall zum Krüppel wurde und im Rollstuhl sitzt, pflegt ihn und hat zunächst vor, ihn für eine politische Wende nutzen zu wollen. Als Alex aber im Bad das Lied „Singin’ in the rain“ singt, erkennt der Schriftsteller, dass es Alex war, der ihn und seine Frau überfallen hatte, und sinnt auf Rache. Da Alex ihm erzählt, was die 9. Sinfonie nach der Konditionierung bei ihm auslöst, sperren Freunde des Schriftstellers den betäubten Alex in ein Zimmer und spielen die 9. Sinfonie lautstark ab, was Alex dazu bringt, sich aus dem Fenster zu stürzen.

Alex wacht schwer verletzt im Krankenhaus auf. Die Regierung, kurz vor den Wahlen stehend, nutzt ihrerseits die Situation aus, um mit der Heilung von Alex auf Stimmenfang zu gehen. Inzwischen hat jedoch Alex’ Konditionierung nachgelassen – er kann wieder Beethoven hören, ohne zu leiden. In der Schlussszene ist Alex beim Sex mit einer jungen rotblonden Frau mit schwarzer Strapse im Schnee liegend zu sehen, während den beiden von männlichen und weiblichen Zuschauern applaudiert wird. Der Film endet mit Alex’ Worten „Ich war geheilt, alright“.


 

Der Regisseur Stanley Kubrick[2]

Stanley Kubrick kam am 26. Juli 1928 in New York City zu Welt und starb 1999 in der Nähe Londons.

Er war ein US-amerikanischer Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. Seine Filme werden vor allem für ihre tiefe intellektuelle Symbolik und ihre technische Perfektion gelobt. Als Regisseur war er sowohl berühmt wie berüchtigt dafür, jede Szene bis ins kleinste Detail zu perfektionieren und dabei meist die Schauspieler bis an ihre psychischen und physischen Grenzen zu führen.

Die Hauptthemen seiner Filme sind die Unnahbarkeit der Realität und das Scheitern der Menschlichkeit, ausgedrückt durch das einfache Akzeptieren, das Ignorieren oder das Ringen der Protagonisten mit ihren dunklen, inneren Kräften – auch ihren Trieben. Authentizität, Kälte, Ehrlichkeit, Realität, Traum, Triebe – dies sind die wohl wichtigsten Schlagworte im Zusammenhang mit Kubricks Werk. Filmschaffende zählen ihn zu den bedeutendsten Filmemachern aller Zeiten.[...]

Obwohl er große Erfolge in Hollywood feierte, blieb er dort zeitlebens ein Außenseiter, weil er stets die absolute Kontrolle über seine Werke haben wollte. Er kaufte ein Anwesen in London, wo er sein Studio einrichtete.

Weitere Werke:

1960: Spartacus

1962: Lolita

1975: Barry Lyndon

1980: Shining

1987: Full Metal Jacket

1999: Eyes Wide Shut


Autor der Buchvorlage[3]

John Anthony Burgess Wilson kam am 25. Februar in Manchester zur Welt und verstarb 1993 in London. Bekannt wurde er unter dem Künstlernamen Anthony Burgess.

Im Jahre 1959 wurde bei dem damaligen Lehrer Anthony Burgess ein unheilbarer Gehirntumor diagnostiziert, und es wurde ihm mitgeteilt, dass er nur noch eine kurze Lebenserwartung hätte. Er begann zu schreiben und veröffentlichte in den folgenden Jahren mehr als 50 Bücher, [...]

Sein – nicht zuletzt durch die Verfilmung von Stanley Kubrick – bekanntestes Werk ist A Clockwork Orange über die Themen Freier Wille und Moral. Burgess war einer ganzen Reihe von Sprachen mächtig, darunter Russisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Walisisch (Kymrisch), Japanisch und seiner Muttersprache Englisch. Diese Erfahrung nutzte er, um für das Buch eine neue Kunstsprache namens Nadsat zu entwickeln, eine Jugendsprache.

Burgess hat es aber zunehmend gehasst, auf diesen einen Roman reduziert zu werden, und als ein One-book-Author zu gelten, weswegen er kurz vor seinem Tod noch wünschte, diesen Roman nie geschrieben zu haben.[...]

Die Selbstverständlichkeit des Vorhandenseins auch religiöser Geschehnisse im Alltag findet sich in seinem literarischen Hauptwerk, dem 1980 erschienen Roman „Earthly Powers“ (dt. „Der Fürst der Phantome“). Aus der Sicht eines katholischen homosexuellen Schriftstellers scheinbar niedriger Werke namens Toomey (dessen Vorbild William Somerset Maugham ist), der eine Wunderheilung des späteren Papstes Gregor bezeugen soll (dessen Vorbild der spätere Papst des Vatikanischen Konzils, Papst Johannes XXIII. ist), beschreibt Burgess in dieser Tour de Force durch das 20. Jahrhundert, in dem von den Nazi-Gräueln bis hin zu den Massensuizid der Jones-Sekte der 70er Jahre kaum ein blutiger Schauplatz ausgelassen wird[...]

So blieb Burgess, als er 1993 an Lungenkrebs starb, mit seiner kunstvollen Synthese aus diabolischem Entertainment und ernstem Anliegen im Literaturbetrieb ein Außenseiter, dessen reiches Gesamtwerk überdies von dem glanzvollen Erfolg „A Clockwork Orange“ immer noch überstrahlt wird.


 

Reflexion:

Besonders im ersten Teil des Films, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt, kann der Schock seine gesamte Wirkung entfalten!

Schreckliche Brutalitäten und Grausamkeiten werden mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit verübt, die durch die klassische musikalische Hintermalung noch verstärkt wird. Die selbst begangenen Gräueltaten berühren die Hauptperson überhaupt nicht, was die Geschichte abstoßend macht, aber auch eine gewisse Distanz zu den Charakteren erzeugt.

Besonders gewöhnungsbedürftig ist auch die Kunstsprache, die die Protagonisten verwenden. Hat man sich aber daran gewöhnt, unterstreichen sie das surreale des Films. Abgesehen von den extrem grausamen Gewaltszenen, die ich schwerlich als Kunst bezeichnen kann, fügen sich alle Details des Films, wie Musik, die Darstellung der völlig hilflosen Umwelt, die außerordentlichen, ziemlich unwirklich gestalteten Schauplätze und die künstlich kreierte Sprache zu einem bemerkenswerten Gesamtkunstwerk. Aber nicht nur die „handwerklichen“ Feinheiten sind es wert, darüber nachzudenken.

Denn im zweiten Teil des Films, nachdem die Hauptperson durch Gehirnwäsche zum braven Bürger gemacht wurde dreht sich der Spieß um. Und empfand man während der Gewaltszenen Abscheu für den schlägernden, vergewaltigenden Jugendlichen, kann man plötzlich nicht umhin, alles was ihm angetan wird als Unrecht zu empfinden.

Doch was will uns der Film mitteilen? Vielleicht, dass, egal wie sehr man sich ändert, einen die Vergangenheit immer wieder einholt. Und dass manche Dinge nicht einfach durch persönliche Veränderungen wieder gutzumachen sind, denn von der eigenen Entwicklung haben ehemals Geschädigte noch lange nichts.

Außerdem werden die Allmacht der Wissenschaft und die Kontrolle des Staates angeprangert. Das Individuum ist hilflos, kann sich gegen die übergeordneten Autoritäten nicht wehren, und darf auch keinen Schutz erwarten. Ist das nun eine schreckliche Zukunftsvision von vor 40 Jahren, oder befinden wir uns bereits in einer solchen Welt?

Bei genauerem Hinsehen wird uns bewusst, wie selten die einzelnen eigentlich vorgegebene Dinge hinterfragen, oder sich trauen, anerkannten Meinungen entgegenzutreten. So bezieht sich auch der Titel „Uhrwerk Orange“ auf den funktionierenden Menschen.

Was die Macht von Politik (Wirtschaft) und Wissenschaft betrifft, haben wir vielleicht nicht in erster Linie vor Gehirnwäsche im eigentlichen Sinn wie im Film Angst. Aber trotzdem können wir eine sehr ausgedehnte Kontrolle der einzelnen Personen nicht abstreiten.

Dabei denke ich an den nicht wirklich funktionierenden Datenschutz – wie viele Skandale gab es in letzter Zeit? Oder ist es nicht verblüffend, dass in Wirklichkeit fast alles über jeden im Internet zu finden ist? Dazu kommt noch, das s jede Person zu jeder Zeit aufgrund des eigenen Mobiltelefons aufgefunden werden kann, und dass Satellitenbilder Fotos machen, die so genau sind, dass man Details im Inneren von Gebäuden erkennen kann. Wegen dieser Entwicklung der modernen, sich immer schneller entwickelnden Medien sollen wir nicht gleich paranoid werden, aber manchen Dingen doch mit etwas Skepsis oder Vorsicht begegnen oder zumindest undurchsichtige Anordnungen oder Regelungen zu hinterfragen.

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Kommentar: I shop, therefore I am

In der heutigen Gesellschaft wird jeder automatisch als Konsument geboren. Genau das, sagt das Foto mit dem Marken tragenden Baby aus. Je nach Alter, Geschlecht, sozialem Stand oder Interessen sind wir Teil einer anderen Zielgruppe.

Sollte Kinderkleidung noch vor 20 Jahren hauptsächlich robust und praktisch sein, ist heutzutage der „Fashion-Faktor“ unbestreitbar wichtig.

Es ist falsch zu glauben, dass sich nur Kinder und Jugendliche von Marken verführen lassen. Erwachsene sind genauso anfällig, denn besonders hochpreisige Marken sind ausschließlich für Ältere konzipiert.

Wir verbinden automatisch Qualität, modische Aktualität oder Leistung (zum Beispiel von technischen Geräten) mit gewissen Marken. So gesehen manipulieren uns die Firmen mit den Botschaften, die uns ihre Marken vermitteln.

Andererseits vermitteln wir genauso Botschaften mit den Dingen, die wir kaufen. Durch Kleidung werden Aussagen wie „Ich bin seriös“, „Ich bin hip“, „Geld spielt keine Rolle“ oder „Ich weiß was angesagt ist“ getätigt. Denn jeder möchte von seinen Mitmenschen auf eine gewisse Art und Weise gesehen werden.

Durch ausgeklügelte Marketingstrategien und das sich ständig erneuernde Angebot an Waren sind wir alle Teil eines ausgeklügelten Konsumkreislaufs geworden. Niemand kann daraus ausbrechen, und die meisten definieren verschiedene Bereiche ihrer Persönlichkeit durch ihr Konsumverhalten. Deshalb ist die folgende Aussage für die westliche Gesellschaft auf jeden Fall zutreffend: „I shop, therefore I am!“

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Stirbt Österreich aus?

 

Seit Jahrzehnten jammern Politiker, Zukunftsforscher, Demografen u.a. über den Geburtenrückgang in den westeuropäischen Industrieländern. Doch setzt sich dieser Trend wirklich fort? – Stirbt Österreich aus?

 

Sicher ist, dass die Menschen unserer heutigen Erwachsenengeneration zu wenige Kinder für die zunehmende Zahl der Alternden bekommen. Eine mögliche Lösung für dieses Problem von schwindenden Pensionszahlern ist die Migration.

Dennoch beweist die Geschichte, dass auf jeden Trend eine Gegenbewegung folgt: Bei Befragungen der heutigen Jugendlichen wurde ermittelt, dass die meisten jungen Leute ein extrem konservatives Familienbild haben. Der Großteil der Mädchen und Burschen will heiraten und Kinder kriegen. Natürlich ist es eine andere Frage, ob das jeder schafft, doch der Wunsch nach einer traditionellen Familie wäre vorhanden!

Doch warum ist das so?

 

Ein Grund für den Geburtenrückgang war die Emanzipation – jede Frau wollte Karriere machen. Doch heutzutage ist diese „Angleichung“ der Geschlechter für die zukünftige Frauengeneration nichts Erkämpfenswertes mehr, da sie bereits erfolgt ist. Deshalb können sich die Frauen (erstmals) freiwillig dafür entscheiden Kinder zu bekommen und sich um diese zu kümmern.

 

Eine weitere Hürde, die es zu überwinden gilt, ist die finanzielle Situation der kommenden Elterngeneration. Um den gewohnten Lebensstandard zu erhalten müssen unbedingt beide Partner erwerbstätig sein. Noch ist die Vereinbarung von Kind und Karriere häufig ein Problem, Ist doch  Kleinkinderbetreuungseinrichtungen, Nachmittagsbetreuung für Schulkinder, etc….oft eine Frage des Geldes.

 

Man muss aber bedenken, dass sich immer zuerst die Gesellschaft verändert, bevor die organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden können. Das heißt, Österreichs Autoritäten werden Einrichtungen schaffen, um den Menschen, nicht nur den Frauen, die Vereinbarung von Arbeit und Elterndasein zu erleichtern, da speziell diese Kombination vom Staat gewünscht wird. In den letzten Jahrzehnten wurden schon brauchbare Akzente gesetzt: Es gibt zahlreiche Betriebskindergärten, Kindergeld, und Vätern ist es möglich in Karenz zu gehen.

 

Das alles bedeutet, dass den heutigen Kindern und Jugendlichen nichts im Weg steht, Familien zu gründen und so unser aller Zukunft zu sichern. Es gilt nur die Zeit zu überbrücken, bis diese Jugendlichen so weit sind, in der doch zu viele „Alte“ in Pension gehen werden. Zum Glück handelt es sich nur um eine relativ kurze Zeitspanne von etwa zwanzig Jahren, in der die Veralterung der Gesellschaft voll getragen werden muss. Denn wenn die erste geburtenschwache Generation altert aber ungefähr genauso viele Kinder bekommen hat, wie ihre Eltern, gleicht sich die Diskrepanz zwischen Jung und Alt wieder aus.

 

Aus diesen genannten Gründen wird Österreichs Bevölkerung zwar einige grundlegende Änderungen in Kauf nehmen müssen, und sich auch auf einen „personellen Engpass“ für die nächsten Jahre einstellen müssen, die Gefahr dass unser Land ausstirbt, ist jedoch sicher nicht gegeben.

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Schwerpunkt: Entartete Kunst

1      Oskar Kokoschka

Ein berühmter Vertreter der entarteten Künstler ist Oskar Kokoschka. Bei der Ausstellung „Von Makart bis Nitsch – die Störenfriede der Avantgarde“ im Lentos wurde ich zum ersten Mal bewusst mit seinem Werk konfrontiert. Besonders in Erinnerung ist mir eines seiner Selbstbildnisse.

Obwohl es kein Bild ist, das ich auf den ersten Blick als „schön“ bezeichnen würde, ist es dennoch sehr interessant. Dieses Selbstporträt zeigt den Künstler nahezu so wie er wirklich aussah. Das Bild ist weder verschönert noch verzerrt. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Maler Oskar Kokoschka sich selbst so gesehen hat, wenn er in den Spiegel blickte.

1.1             Die Person Oskar Kokoschka

1886 kam Oskar Kokoschka in Pöchlarn, Niederösterreich zur Welt. Ein Jahr später zog er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Wien. 1911 lernte er Alma Mahler kennen und zog im darauf folgenden Jahr mit ihr zusammen. Sie erwiderte seine Liebe jedoch nicht.

Schließlich wurde Alma Mahler von Oskar schwanger, sie trieb ihr Kind jedoch ab, obwohl Kokoschka dagegen war. Darauf trennte er sich von ihr und meldete sich freiwillig zum Ersten Weltkrieg.

In der Ukraine wurde er schwer verwundet, als er die Verletzungen überstanden hatte, war er als Kriegsmaler an der Isonzofront tätig.

Ab 1917 lebte er in Dresden als Professor an der Dresdener Kunsthochschule. Nach seiner Freistellung sieben Jahre später unternahm er ausgedehnte Reisen in Europa und nach Nordafrika.

1931 kehrte er zwar nach Wien zurück, wurde aber drei Jahre später gezwungen nach Prag auszuwandern, da die politischen Verhältnisse in Österreich und Deutschland untragbar wurden. Zu dieser Zeit lernte Kokoschka auch seine zweite Frau kennen.

Die friedliche Zeit in Prag war kurz, denn schon 1938 musste er wieder flüchten, diesmal nach England, denn seine Kunst wurde von den Nationalsozialisten nicht akzeptiert.

In England nahm er die britische Staatsbürgerschaft an, in den 70ern wurde er aber wieder Österreicher.

Oskar Kokoschka starb im Jahre 1980 in der Schweiz. Nach seinem Tod wurde eine Stiftung gegründet, die über 100 seiner Werke aufbewahrt hatte und von seiner Witwe verwaltet wurde.

1.2             Der Künstler Oskar Kokoschka

Die ältesten, noch erhaltenen Bilder und Aquarelle stammen aus Kokoschkas Schulzeit in Wien. Als er später die Kunstgewerbeschule besuchte, war Gustav Klimt einer seiner Lehrer.

Außerdem wurden seine Bilder stark von Vincent van Gogh beeinflusst.

Der junge Künstler Oskar Kokoschka lehnte den damals modernen Jugendstil ab und malte zu dieser Zeit lieber gefühlsbetonte Portraits.

Das ist der Grund, warum seine frühen Werke nicht sehr geschätzt wurden.

Zur Zeit der Beziehung zu Alma Mahler entwickelte sich seine Kunst weiter. Jetzt arbeitete er mit einer anderen Maltechnik. – seine Pinselstriche wurden breiter.

Von seinen ausgedehnten Reisen war er inspiriert nicht nur Porträts sondern auch andere Motive festzuhalten. Aus dieser Zeit findet man zahlreiche Städte- und Landschaftsbilder.

1937 gründete er den Oskar-Kokoschka-Bund in Wien, um sich gegen den einengenden Nationalsozialismus zu wehren. Die Mitglieder dieses Bundes trafen sich alle 14 Tage und veranstalteten Ausstellungen von entarteter Kunst und Künstlerfeste. Diese Künstlervereinigung hatte sogar Kontakte nach Paris, wo eine Ausstellung der „Freien Deutschen Kunst“ stattfand.

Kokoschka war aktives Mitglied der österreichischen Exilorganisation „Young Austria“ und engagierte sich Zeit seines Lebens für die Freiheit der Kunst.

Deshalb wurde nach seinem Tod ein Oskar-Kokoschka-Preis für bildende Künstler ins Leben gerufen.

1.3             Die Ausstellung „Störenfriede“

In dieser Ausstellung im Linzer Lentos kann man beispielhafte, österreichische Kunstwerke, vom Idealismus zum Aktionismus, bewundern, die zu ihrer Zeit Störenfriede waren.

Neben den Bildnissen von Kokoschka findet man auch Werke von Klimt, Schiele oder Nitsch. Die meisten der dort ausgestellten Künstler starben weitgehend unpopulär und verarmt, denn die Presse ließ nichts Gutes an den Bildern. Die Kunstpropaganda des Nationalsozialismus bezeichnete die Werke als „Sumpf der Perversitäten“. Das Publikum war verunsichert und überfordert, so wie heute, wenn Künstler zu Gewagtes schaffen.

1.4             Reflexion

Oskar Kokoschka ist zweifelsohne ein typisches Beispiel für einen entarteten Künstler. Er musste zweimal flüchten, da das nationalsozialistische Regime nichts mit seinen Werken anfangen konnte. Sein starkes Engagement in Österreich in den 30er Jahren, aber auch im englischen Exil ist mit Sicherheit zu bewundern. Doch ein wahrer Künstler kann wahrscheinlich nicht anders als zu seinen Werken zu stehen.

Was mich an dieser Biographie aber sehr verblüfft hat, war, dass sich Herr Kokoschka in den 70ern entschlossen hat, wieder Österreicher zu werden. Auch anhand der Geschichte vieler Emigranten sieht man, dass das sehr selten ist. Die wenigsten wollten nach ihrer Verfolgung und Ausgrenzung wieder ein Staatsbürger Österreichs sein. In diesem Punkt unterscheidet sich Kokoschka von vielen anderen: Er war nicht nur seiner Kunst treu, er blieb auch ein Bürger Österreichs.


2      Franz Werfel

Dieser Beitrag findet nicht nur aufgrund des als „entarteten Künstler“ klassifizierten Autors, Franz Werfel, Platz in meinem Kulturportfolio, auch der Inhalt des Buches passt außerordentlich gut zu meinem Schwerpunkt. Außerdem ist das Buch „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ ein Buch, von dem ich glaube, dass man es gelesen haben sollte, weil die Geschichte, die es erzählt, so wichtig ist. Deshalb möchte ich dieser ergreifenden Geschichte einen Ehrenplatz in meinem Kulturportfolio widmen:

2.1             Inhalt des Buches „Die vierzig Tage des Musa Dagh“

Nachdem Gabriel Bagradian 23 Jahre in Paris gelebt hatte, entschließt er sich mit seiner Frau Juliette und seinem Sohn Stephan zurück in sein armenisches Heimatdorf Yoghonoluk am Fuße des Musa Dagh zu ziehen.

Zurück im Osmanischen Reich spürt er schon nach kurzer Zeit den aufkeimenden Völkerhass der Türken gegenüber den Armeniern, während Juliette noch als ausländische Edeldame auf dem Landsitz der Bagradians residiert. Doch er will seine Familie nicht beunruhigen.

Als jedoch eine befreundete Familie aus einem Nachbardorf nur mit Müh und Not der Deportation durch die Türken entkommen, und nach Yoghonoluk flüchten kann muss er sich der Wahrheit stellen und beschließt nach einiger Zeit des Zögerns etwas zu unternehmen.

Um seine Familie, die Bewohner des Dorfes und sich selbst vor einer qualvollen, erniedrigenden Deportation zu bewahren, überredet er, als ehemaliger türkischer Offizier, die Dorfbewohner ein gesichertes Lager auf dem Musa Dagh zu errichten.

Es dauert nicht lange und die türkischen Truppen rücken näher und näher, doch die Befestigung bewährt sich. Gabriel ist militärischer Leiter des Widerstands. Das Leben auf dem Berg in der Zeltstadt ist jedoch mit vielen Entbehrungen verbunden, und alle Menschen beginnen an einem glücklichen Ausgang der Belagerung zu zweifeln.

Stephan, Gabriels Sohn will seinem Vater beweisen, dass er ihm in nichts nachsteht und schleicht sich nachts aus dem Lager, um von den türkischen Belagerern Waffen zu stehlen, wird jedoch bei dem Versuch getötet.

Auch Juliette fühlt sich immer einsamer und beginnt eine Affäre mit dem einzigen anderen Ausländer unter den Armeniern, einem griechischen Schriftsteller.

Nach vierzig Tagen abgeschottetem Leben am Berg, bedroht durch die Türken wird endlich ein französisches Schiff in der Ferne des Meeres entdeckt.

Die Bewohner von Yoghonoluk werden von den Franzosen gerettet, doch Gabriel geht als einziger nicht mit an Bord. Er ist am Gipfel des Musa Dagh und sieht dem Schiff zu, wie es seine Heimat verlässt.

2.2             Reflexion

Ich war wirklich ergriffen von den plastischen Schilderungen der Belastungen des Lebens im Widerstand, der aufkeimenden Angst, der wachsenden Hysterie, der Angst vor der Zukunft.

Ich finde, die Deportationen der Armenier sind ein unbekannter Bereich der jüngeren Geschichte. Erst jetzt, 90 Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen kommt eine Diskussion auf ob die Vorfälle als Völkermord zu bezeichnen sind, was von der türkischen Regierung immer abgestritten wird.

Die offizielle Version war immer, dass die Armenier das Osmanische Reich destabilisieren würden und sie deshalb „umquartiert“ werden müssten.

In meinen Augen hat die Verschleierung dieser Massenmorde funktioniert, denn wenn ich nicht dieses Buch nicht gelesen hätte, wüsste ich auch nichts über dieses Thema.

Dieses Buch handelt von einem Völkermord, der Ausgrenzung einer ethnischen Minderheit und einem Volk, das als Sündenbock herhalten musste. Wenn man sich das vor Augen hält, fallen einem Parallelen zum Dritten Reich auf. Viele Menschen sind der Meinung, dass sich derartige Verbrechen an der Menschheit niemals wiederholen könnten, denkt man aber genau darüber nach, kommt man dahinter, dass der Holocaust zwar sicherlich der grausamste, aber keinesfalls der erste Genozid war.

Es gibt viele dunkle Punkte in der Geschichte, über die zu reden oder nachzudenken schmerzhaft oder aufwühlend sind, aber ich glaube, dass man zumindest für die Zukunft etwas aus den Fehlern früherer Generationen lernen sollte. Denn wenn man sich nie mit Vergangenem beschäftigt, wie soll man in Zukunft etwas besser machen?

2.3             Der Autor Franz Werfel

Franz Werfel wurde 1890 in Prag geboren. 1912 verließ er seine Heimatstadt um in einem Leipziger Verlag als Lektor zu arbeiten.

Er diente als österreichischer Soldat an der ostgalizischen Grenze zwischen 1915 und 1917. Die nächsten zwei Jahrzehnte lebte er in Wien.

Bei einer Nahostreise in den Zwanziger Jahren traf er eine Überlebende des Genozids an den Armeniern. Inspiriert durch diese Begegnung schrieb er seinen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“.

1929 heiratete er Alma Mahler, mit der er schon 1918 einen Sohn hatte, der jedoch einjährig verstarb. Für Alma Mahler Werfel war Franz Werfel der dritte Ehemann nach Gustav Mahler und Walter Gropius.

Als nach dem Anschluss1938 Werfels Werke als entartete Kunst galten, blieb ihm nichts anderes über als zu emigrieren.

Er flüchtete mit seiner Frau zuerst nach Frankreich, dann überquerten sie zu Fuß die Pyrenäen nach Spanien. Von dort aus wanderte er in die USA aus.

Die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarb er 1941 verstarb jedoch schon 1945 in Kalifornien.


3      Elias Canetti

Ich habe diese Mischung aus Reisebericht und literarischem Werk schon vor Jahren zum ersten Mal gelesen, und habe das Buch in meine Arbeit aufgenommen, weil ich einerseits die Eindrücke des fernen Orients sehr genossen habe und andererseits der Autor genau zu meiner „Zielgruppe“ gehört.

3.1             Das Buch: „Die Stimmen von Marrakesch“

1954 ist Elias Canetti mit einem englischen Filmteam in die marrokanische Stadt Marrakesch gereist. Doch erst 14 Jahre später ist sein Buch „Die Stimmen von Marrakesch“ von den Aufzeichnungen der Reise entstanden. Das Buch beinhaltet 13 Erzählungen, die Reisebeschreibungen, Alltagsschilderungen und Geschichten aus dem Orient zugleich sind.

Die erste Erzählung ist die „Begegnung mit Kamelen“. Das erste Kamel, das Canetti sieht, ist kein stolzes Tier, im Gegenteil: eines auf drei Beinen, dazu gefesselt. Ein trauriger Eindruck, der sich am nächsten Tag verstärkt, als eine Karawane mit über hundert Kamelen in der Stadt ankommt und Canetti erfährt, dass alle Tiere an den Schlächter verkauft werden sollen. Ein alter Händler erzählt ihm, dass ein Kamel den Schlächter rieche und dass ein tollwütiges Kamel die Leute im Schlaf töte, sie ersticke.

Canetti streift durch die engen Straßen der Stadt, entdeckt eine unverschleierte Frau am Fenster eines verfallenen Turmes, die ihn umschmeichelnde Koseworte spricht, was angesichts der Frauen auf den Straßen, die „wie unförmige Säcke“ aussehen, nur umso verführerischer auf ihn wirkt.

In der Mellah, dem Judenviertel Marrakeschs, beobachtet er die Seidenverkäufer, entdeckt rastlose, unruhige Händler, die mit wenigen Waren unterwegs sind und Winzigkeiten zum Verkauf anbieten – die ewigen Juden. Einer erinnert ihn an Goebbels, andere bieten geröstete Heuschrecken an, ein Einäugiger verkauft Gemüse, ein anderer Steine, ist aber mehr mit seinen Steinen als den Kunden beschäftigt, hebt sie immer wieder auf, befühlt sie, wiegt sie in den Händen. Sie lassen ihm keine Ruhe.

Je weiter er in die Mellah eindringt, desto ärmlicher werden die Verhältnisse. Er entdeckt einen kleinen Platz und meint, vor hundert Jahren schon einmal dort gewesen zu sein, ihn vergessen und nun wiederentdeckt zu haben: „Ich war, bin dieser Platz“ – und kehrt wieder zurück zu ihm.

Ihn fasziniert das Zur-Schau-Stellen der Waren, des Reichtums, die offenen Tätigkeiten der Handwerker, die im Gegensatz zum verborgenen Zuhause und den verschleierten Frauen stehen. Das Handeln hat etwas Feurig-Mysteriöses, Einkaufen ist eine Kunst. Die Blinden murmeln tagein, tagaus ihr „Allah“, sie sind „die Heiligen der Wiederholung“, im „Riviera“, dem Bordell, treffen sich die Ausländer, er beneidet die Schwalben, die über die flachen Dächer fliegen und Einblicke ins Privatleben der Leute bekommen.

Am Ende steht Canetti fasziniert vor einem Erzähler, der den Leuten Geschichten erzählt, dessen Sprache er nicht versteht, aber er erahnt die Schmeicheleien, die Drohungen, die Tragödien, die da verkündet werden. Er bekennt, als „westlicher“ Schriftsteller bloß ein feiger Träumer zu sein, weil er auf Papier erzählt und nicht direkt zu den Leuten spricht. Ein wirkmächtiges Bild, das zum Nachdenken anregt.

3.2             Leseprobe aus der Erzählung: Besuch in der Mellah

Marrakesch

Ich spürte, wie alles ärmer wurde, je tiefer ich in die Mellah eindrang. Die schönen Stoffe und Seiden lagen hinter mir. Niemand sah reich und fürstlich aus wie Abraham. Der Bazar gleich beim Eingangstor war eine Art Luxusviertel gewesen, das eigentliche Leben, das Leben des einfachen Volkes spielte sich hier ab. Ich befand mich jetzt auf einem kleinen, rechteckigen Platz, der mir als das Herz der Mellah erschien. An einem länglichen Brunnen standen Männer und Frauen durcheinander. Die Frauen trugen Krüge, in die sie Wasser füllten. Di Männer füllten ihre ledernen Wasserbehälter. Ihre Esel standen neben ihnen und warteten darauf, getränkt zu werden. In der Mitte des Platzes hockten einige Garköche. Manche brieten Fleisch, andere kleine Krapfen: sie hatten ihre Familie bei sich, die Frauen und Kinder. Es war, als hätten sie ihren Haushalt auf den Platz verlegt und wohnten und kochten hier.

3.3             Reflexion

Diese Leseprobe habe ich gewählt, weil sie für mich einen wunderbaren Eindruck des Buches wiedergibt. Wenn man diese Geschichten liest, fühlt man sich sofort in das ferne Nordafrika versetzt. Ich bin immer wieder fasziniert von Erzählungen aus dem Nahen Osten, denn diese Gesellschaft und Lebensweise finde ich, als Europäerin, sehr anziehend.

Was mich an Canettis Werk außerdem sehr beeindruckte, war die Tatsache, dass er trotz seiner Faszination zugab, vieles nicht zu verstehen, nicht nachfühlen zu können oder sich ganz einfach mit der Lebensweise nicht identifizieren zu können.

Ich bin überzeugt, dass diese Erfahrung den Autor bis an sein Lebensende nicht mehr losgelassen hat, was auch dadurch bewiesen wird, dass er seine Erinnerungen und Gedanken erst acht Jahre nach der Reise niederschrieb.

Ich fühlte mich von diesen Geschichten sehr inspiriert und zum Träumen angeregt; von einer fernen Welt, die heute in dieser Weise wahrscheinlich überhaupt nicht mehr existiert.

3.4             Der Autor Elias Canetti

Elias Canetti ist der älteste Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie und verbrachte seine Kindheit in England und Bulgarien. Nach dem Tod seines Vaters zog seine Mutter mit den Kindern nach Wien. Dort lernte Canetti seine zukünftige Frau, Veza Canetti, kennen.

Seine zunehmende Bekanntheit ermöglichte es Canetti schließlich sogar, einige seiner Werke zu veröffentlichen, doch seine weitere schriftstellerische Laufbahn konnte im zunehmend judenfeindlichen Klima der dreißiger Jahre nicht vorankommen, und nach dem „Anschluss“ Österreichs ans nationalsozialistische Deutschland 1938 emigrierte das Ehepaar nach England.

Im Exil unterhielt Elias Canetti zahlreiche Beziehungen zu anderen Frauen, von denen seine Gattin jedoch wusste.

In den 60er und 70er Jahren war Canettis Arbeit sehr erfolgreich und er erhielt verschiedene Auszeichnungen, wie den Großen Österreichischen Staatspreis.

1963 starb seine Frau Veza, doch acht Jahre später heiratete er erneut. Mit seiner zweiten Frau, einer Schweizerin, lebte Canetti in Zürich, wo er 1994 starb.

                   Werke von Elias Canetti

Die Blendung 1936

Masse und Macht 1960

Die Stimmen von Marrakesch 1968

Die Fackel im Ohr 1980 (Autobiographie)


4      Stefan Zweig

Diese Arbeit über entartete Kunst wäre sicherlich nicht komplett ohne einen Beitrag über einen Autor, der sich aus Verzweiflung über das NS-Regime das Leben nahm. Am Beispiel Stefan Zweig sieht man was den Künstlern und der Kunst in Europa angetan wurde und wohin der Verlust von Perspektiven führen kann.

4.1             Inhalt der Novelle „Die Angst“

Irene ist seit acht Jahren mit dem erfolgreichen Strafverteidiger Fritz Wagner verheiratet mit dem sie zwei Kinder hat. Als sie bei einer Abendveranstaltung einen jungen Pianisten kennenlernt, wird sie seine Geliebte. Nicht weil sie es will, vielmehr aus Neugier und weil es ihr zu anstrengend ist es zu verhindern.

Doch eines Tages wird Irene von einer Frau überrascht, die behauptet, die Freundin ihres Geliebten zu sein. Da diese Person aus ärmlichen Verhältnissen kommt, wittert sie die Chance und erpresst Irene. Sie glaubt das Problem durch Erfüllung der Forderung lösen zu können, aber Irene hatte sich geirrt.

Die fremde Frau passt sie immer wieder ab, und erpresst immer mehr. Irene wird langsam hysterisch, denn die Erpresserin weiß ihren Namen und andere Details ihres persönlichen Tagesablaufs.

Tagelang wagt sich Irene nicht aus dem Haus, und langsam fällt den Kindern und ihrem Ehemann die Veränderung auf. Irene leidet unter Schlaflosigkeit und Verfolgungswahn, dennoch kann sie sich nicht überwinden, ihr Geheimnis ihrem Mann anzuvertrauen.

Irene geht es psychisch zusehends schlechter, doch die Erpressungen hören nicht auf. Als sie kein Geld mehr zur Verfügung hat, versetzt sie sogar ihren Ehering. Sie beschließt ihren Geliebten darauf anzusprechen, als dieser jedoch beteuert, niemals etwas von der beschriebenen Person gehört zu haben, ist Irene am Ende.

Sie geht in die Apotheke und besorgt sich Gift. In dem Moment als sie bezahlen will, greift plötzlich jemand nach dem Gift. Es ist ihr Mann, der Irenes Selbstmord verhindern will. Er erklärt, der von einem Weinkrampf geschüttelten Irene, dass er hinter ihr Geheimnis gekommen sei. Er habe eine Schauspielerin engagiert, die die Rolle der Erpresserin spielte, weil er sie zurückgewinnen wollte.

Am Ende bereute er aber das Theater, da er seine Frau, die er über alles liebte, sehr gequält hatte.

4.2             Reflexion

Außergewöhnlich an dieser Novelle ist die Beschreibung Irenes psychischer Verfassung. Man erlebt ihre Entwicklung von der Verwirrtheit der ersten Begegnung mit ihrer Erpresserin bis zum Verfolgungswahn in panischer Hysterie richtiggehend mit.

Stefan Zweig widmet den Panikattacken besonders viel Raum, dass man als Leser diese hysterischen Anfälle fast nachfühlen kann.

Besonders beeindruckt hat mich, sodass Stefan Zweig seine Protagonistin Selbstmord begehen lassen wollte. Diese Szene zeigt, wohin es führen kann, wenn man sich in panische Angstzustände hineinsteigert.

Außerdem komme ich nicht umhin, Parallelen zu Zweigs eigenem Leben zu sehen, der ebenfalls Suizid beging, da er keine Perspektiven mehr in seiner Zukunft sah.

Obwohl das Ende der Novelle sehr überraschend und keinesfalls vorhersehbar war, fand ich es zu unrealistisch, was mich in diesem Fall störte. Denn Irene und ihr Ehemann machten beide jeden erdenklichen Fehler, den es zu machen gab, trotzdem löst sich am Schluss jedes Problem in Wohlgefallen auf. Diese Sicht der Dinge hat mich zwar nicht überzeugt, dennoch war ich sehr begeistert von den Beschreibungen zügelloser Angst.


4.3             Der Autor Stefan Zweig

Stefan Zweig kam 1881 in Wien als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie Zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Wien, später zog er nach Zürich um dort als Journalist zu arbeiten.

Nach dem ersten Weltkrieg kehrte er nach Österreich zurück und lebte in Salzburg wo er viele seiner berühmtesten Werke schrieb und vehement gegen Nationalismus eintrat.

1934 emigrierte Stefan Zweig nach London, da die Nationalsozialisten die Macht ergriffen hatten. Einigen Verlagen wurde die Veröffentlichung seiner Bücher verboten, dennoch kam im Jahr des Reichstagsbrandes die Verfilmung seiner Novelle „Brennendes Geheimnis“ in die Kinos. Joseph Goebbels verbot die weitere Aufführung des Films und alle Bücher Zweigs wurden aus dem Buchhandel entfernt.

Als der zweite Weltkrieg ausbrach nahm er die englische Staatsbürgerschaft and und reiste 1940 nach Brasilien.

Zweig beging am 22. Februar 1942 bei Rio de Janeiro durch eine Überdosis Tabletten Selbstmord. Seine Frau Charlotte Altmann wartete seinen Tod ab, legte sich danach mit einer Überdosis Morphium neben ihn und starb ebenfalls. Er beging Selbstmord aus Verzweiflung über das NS Regime und über die Zerstörung seiner Heimat Europa. Dieses Schicksal ist fast ein Symbol für alle Intellektuellen, die vor den Nazis fliehen mussten. In seinem Haus in Brasilien wurde ein Museum eingerichtet, das allen geflohenen Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern gewidmet ist.

                   Zu den berühmten Werken Zweigs gehören:

Die Angst

Die Schachnovelle

Die Welt von Gestern

Balzac

Amok

Brennendes Geheimnis


5      Franz Kafka

Da Franz Kafka schon 1924 starb war sein künstlerisches Schaffen nicht vom Nazi Regime beeinflusst. Doch in den 30er Jahren wurden seine Werke im Dritten Reich verboten, was mich veranlasste, über Kafka zu schreiben.

Zu meiner Wahl der „Kleinen Fabel“ muss ich erklären, dass ich einige kürzere Erzählungen Kafkas gelesen habe, mir die meisten aber fremd blieben. Eine Ausnahme ist eben diese Kleine Fabel.

5.1             Kleine Fabel

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

5.2             Reflexion

Die Kleine Fabel ist für mich eine sehr gute Charakteristik der Menschen. Wenn man sich verloren fühlt, sucht man jemanden der einen führt, der sagt, was zu tun ist, was richtig und was falsch ist. Eine Zeitlang ist dieser Zustand sehr angenehm, da es nicht nötig ist, selbst Verantwortung zu übernehmen. Doch nach einer Weile kommt man dahinter, dass solche festgesetzte Normen ungemein einengen und man sehnt sich in die Freiheit zurück. Leider ist es dann oft zu spät und es passiert ein Unglück. – Die Maus wird gefressen.

Ich entdecke hier Gemeinsamkeiten zur Entstehung Hitlerdeutschlands. Zuerst sind die Menschen verunsichert, und sie wollen einen Führer, der das ganze Leben regelt. Als man jedoch bemerkt, wohin dieses Verhalten führt, kann man längst nichts mehr machen: Der zweite Weltkrieg ist im Gange und der grausamste Völkermord der Menschheit hat stattgefunden.

 

5.3             Der Autor Franz Kafka

Franz Kafka kam 1883 in Prag als Sohn jüdischer Unternehmer zur Welt. Er studierte an der Universität in Prag Jura, später war er als Versicherungsjurist tätig. Zu seinen Freunden gehörte unter anderem Franz Werfel, der ihn bei seiner literarischen Arbeit unterstützte.

Kafka unterhielt eine sehr schwierige Beziehung zu seinem Vater, die auf Hassliebe basierte und die seine Werke stark prägte. Er war nie verheiratet aber einige Male verlobt. Erst in den letzten Monaten seines Lebens hatte er eine erfüllte Beziehung, zu einer um viele Jahre jüngeren Kindergärtnerin.

Ab 1917 litt er an einer Lungenkrankheit die damals unheilbar war und sich von Jahr zu Jahr verschlechterte. 1924 starb Franz Kafka in Niederösterreich.


6      Picasso

Picassos Werke waren im Nazi-Deutschland verpönt und verboten, was den Künstler veranlasste, sich sehr zurückzuziehen. Als Frankreich besetzt wurde gab er sich der „inneren Emigration“ hin. Denn viele Künstler dieser Zeit hatten keine Wahl als auszuwandern oder „stillzuhalten“.

Seit ich in der Wiener Albertina zum ersten Mal einige Bilder Picassos im Original gesehen habe, verstehe ich, warum er zu den berühmtesten Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört. Deshalb habe ich mich entschlossen, mich noch etwas mehr mit seinem Schaffen zu beschäftigen.

6.1             Der Künstler Picasso:

Picasso war das älteste Kind eines Malers und Zeichenlehrers in Spanien. Bereits sehr früh entwickelte er ein künstlerisches Talent. Er studierte an der Kunsthochschule in Barcelona und hatte bereits in seiner Jugend einige Ausstellungen.

Um die Jahrhundertwende besuchte er mehrmals Paris, wo er sich mit den Arbeiten der Impressionisten und Expressionisten beschäftigte.

Zu dieser Zeit entwickelte er seinen ersten eigenen Stil:

                   Die Blaue Phase

Diese Bilder sind von Traurigkeit geprägt, da Picasso den Tod eines Freundes und das Leben in der Fremde verarbeitete. Er zog ins Pariser Stadtviertel Montmartre, wo er sich sein erstes Atelier einrichtete.

Ab 1905 beginnen sich seine Werke zu verändern:

                   Die Rosa Phase

Die Traurigkeit verschwindet aus den Bildern Picassos und rosa Töne beginnen vorzuherrschen. Jetzt ist die klassische Schönheit eines seiner Bild motive. Berühmte Werke aus dieser Zeit sind: „Frau mit Krähe“ und „Die Gauklerfamilie“.

Die dritte Änderung seines Kunststils führt ihn in den

                   Kubismus

Er beschäftigt sich damit, wie sich Dinge in einfache geometrische Formen zerlegen lassen. Durch den Einsatz von anderen Materialien wurden seine Bilder sehr plastisch und er entwickelte eine neue Darstellungsform: die Collage.

In den 20er Jahren reiste Picasso nach Italien, wo er die Tänzerin Olga Koklowa kennen lernte, die er wenig später heiratete. Nun wendete er sich vom Kubismus ab. Seine neuen Werke sind

                   klassizistisch mit surrealistischen Einflüssen

In diesen Bildern ist die Schwangerschaft seiner Frau ein wichtiges Motiv, außerdem beschäftigt er sich mit der Verzerrung der Wirklichkeit. Das Hauptwerk dieser Periode ist die „Panflöte“.

Ab 1936 unterstützte Picasso Putschisten, die sich gegen den zukünftigen Putschisten Franco zur Wehr setzten. Sein Werk „Guernica“ gehört zu den berühmtesten Anti-Kriegsbildern des ersten Weltkriegs.

Nach einer Zeit der inneren Emigration während des zweiten Weltkriegs zog Picasso nach Südfrankreich. Nun entwickelte er einen sehr skizzenhaften Stil, der sich stark auf Linien beschränkte. Außerdem widmete sich Picasso auch der Bildhauerei und der Keramik.

Pablo Picasso starb 1973 in Südfrankreich, wo er auf seinem eigenen Grundstück begraben wurde.


6.2             Reflexion

Der Name Picasso ist wahrscheinlich jedem ein Begriff, genauso weiß ich seit Jahren, dass er einer der bekanntesten Künstler des vergangenen Jahrhunderts ist. Bis vor kurzem kannte ich aber nur einige Bilder aus seiner Surrealistischen Phase, die mir nicht sehr zusagten. Als ich mich aber länger mit seinen Kunstwerken beschäftigte, einige Bilder der früheren Schaffensperioden im Original sah, änderte ich meine etwas voreingenommenen Haltung gegenüber diesen Bildern.

Ich bin überaus beeindruckt, wie ein Künstler seinen Stil im Laufe der Karriere immer wieder so grundlegend weiterentwickeln kann. In jedem seiner Bilder verarbeitete Picasso ganz persönliche Erfahrungen, was seine Bilder sehr glaubwürdig macht. Besonders die Bilder seiner kubischen Phase beeindruckten mich stark, da ich gleichartige Kunst noch nie zuvor gesehen habe.


7      Alma Mahler Werfel

Nachdem ich mich einige Zeit mit den Künstlern des 20. Jahrhunderts beschäftigt hatte, fiel mir ein wiederkehrender Name in den Biografien auf: Alma Mahler Werfel

Ich war neugierig geworden, wer diese Frau war, die anscheinend jeden Menschen beeindruckte und beeinflusste, der ihr begegnete. Ich bin der Meinung, dass sie in diesem Kulturportfolio nicht fehlen darf, da sie die „Gemeinsamkeit“ vieler Künstler dieser Zeit ist.

7.1             Die Person Alma Mahler Werfel

Alma kam 1879 als Tochter eines Malers in Wien zur Welt. In ihrer Jugend lernte sie unter Anleitung ihres Lehrers Zemlimsky, komponieren.

Bevor sie den Komponisten Gustav Mahler heiratete, unterhielt sie eine Liebesbeziehung Gustav Klimt.

Nach dem Tod Mahlers hatte sie eine Beziehung zu Oskar Kokoschka, der die anschließende Trennung von ihr nicht verkraftete. Alma ist das Motiv auf unzähligen Bildern Kokoschkas.

Alma Mahler Werfel heiratete Walter Gropius, einen Architekten. 1935 verstarb ihre erst 19-jährige Tochter Manon Gropius an Kinderlähmung, was natürlich ein schwerer Schlag im Leben Almas war. Von Gropius ließ sie sich jedoch scheiden, denn 1929 ging sie mit dem Autor Franz Werfel die Ehe ein, obwohl diese Beziehung niemals frei von schweren Krisen gewesen war. Mit ihm emigrierte sie 1940 zuerst nach Frankreich, dann nach Kalifornien.

In der Zwischenkriegszeit hatte sie Kontakte zu zahlreichen Künstlern und Intellektuellen, die aus Europa geflüchtet waren.

1964 verstarb Alma Mahler Werfel in New York. Obwohl sie zeit ihres Lebens immer im Künstlermilieu verkehrte, war sie selbst nur in ihrer Jugend künstlerisch aktiv. Von ihren Kompositionen sind heute nur zwei Bücher erhalten.

7.2             Reflexion:

Beim Lesen der Biografie kam ich dahinter was für eine schillernde Persönlichkeit diese Frau gewesen sein muss. Sie kannte alle wichtigen Künstler, mehr noch diese Männer lagen ihr zu Füßen. Mir kommt vor als ob ein Großteil der europäischen Kunstszene dieser Zeit durch den Einfluss dieser Frau entstanden wäre. Besonders in den Werken Kokoschkas ist sie nicht wegzudenken.

Trotzdem macht mich der Gedanke traurig, dass diese Persönlichkeit vielleicht zu viel mehr in der Lage gewesen wäre. Natürlich kann nicht jeder von sich behaupten, die Muse von weltberühmten Künstlern gewesen zu sein, aber ich habe den Eindruck, dass auch sie selbst Künstlerin hätte sein können.

Es ist schade, dass sich ihr eigenes Schaffen nur auf die Jugend beschränkt hat, denn ich kann mir vorstellen, dass diese Frau großartiges hervorbringen hätte können.


8      Eigene Gedanken

8.1             Freie Kunst um jeden Preis

Nachdem ich mich eingehend mit dem Thema entartete Kunst beschäftigt habe und auch einiges über die Vorgeschichte und Hintergründe dieser Zeit weiß, bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Eine Gesellschaft, die sich diktieren lässt, welche Werke akzeptable Kunst sind, und was den Menschen nicht zumutbar ist, ist zu keinem eigenen Gedanken mehr fähig. Mehr noch, in so einer Welt äußert keiner mehr seine Meinung zu irgendwelchen Themen, und dann sind wir genau dort, wo wir vor 70 Jahren waren.

Hierzu fällt mir das berühmte Zitat von Heinrich Heine ein: „Ein Regime, das Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen.“ Diese Aussage spiegelt sehr stark die Tatenlosigkeit und Passivität jener Zeit wieder, denn eine eigene Meinung, oder gar Kunstgeschmack zu haben, war geradezu lebensgefährlich.

Doch heutzutage, in unserer aufgeklärten Zeit wissen wir, Kunst ist immer subjektiv und Qualität liegt im Auge des Betrachters. Erlaubt ist alles, gewöhnt ist man an vieles. Will man also provozieren, um eine Botschaft nachdrücklich zu vermitteln, müssen sämtliche Grenzen gesprengt werden.

Das wird zum Beispiel durch das Werk Toscanis bestätigt. Weltweit großes Aufsehen erregten die Fotos von einem magersüchtigen Model für die Werbekampagne des Modelabels Nolita. Kritische Stimmen wurden laut, die die Verwendung einer lebensgefährlichen Krankheit für Werbung als geschmacklos bezeichneten. Und dennoch wurde über keine andere Werbekampagne so lange gesprochen, oder diskutiert wie über diese.

In dem Fall stand das kranke Model aber hinter der Kampagne. Sie wollte der Welt zeigen, was der heutige Schlankheitswahn mit den jungen Mädchen und Frauen macht, und wollte etwas tun um aufzurütteln. Das „Objekt“ der Kritik war also nicht nur einverstanden, es wirkte sogar am „Kunstwerk“ mit.

Das ist jedoch nicht immer so. Dabei denke ich an den Karikaturenstreit zwischen den islamischen Ländern und der europäischen Presse. Im Namen der Presse- und Kunstfreiheit wurden beleidigende Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed publiziert, was einen regelrechten Aufschrei unter Vertretern des Islam verursachte.

Natürlich kann man niemandem verbieten Mohammed zu zeichnen, das sollte man auch nicht, aber trotzdem komme ich nicht umhin zu überlegen, ob es nötig ist, derartige Bilder in Zeitungen zu veröffentlichen um Mitglieder einer ganzen Religion zu beleidigen. War die Erhaltung der freien Kunst nicht vielmehr eine Ausrede um einen Streit vom Zaun zu brechen? Oder um die in Europa ohnehin bestehenden Vorurteile gegen Moslems zu bestätigen?

Nach wie vor sollte man sich frei entscheiden können was man sagt, denkt, schreibt, zeichnet, etc…. Trotzdem ist ein gewisses Maß an Sensibilität nötig, um schwierige Themen diplomatisch anzugehen. Andernfalls würde die Freiheit der Kunst nur ausgenutzt um andere zu provozieren. Denn es hat keinen Sinn, wenn jeder lautstark seine Ansichten vertritt, ohne über Konsequenzen nachzudenken oder sich Gedanken zu machen, inwiefern andere Meinungen

vielleicht ebenso gerechtfertigt sein könnten.

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Günther Brus

 

Genauso wie Hermann Nitsch ist auch Günter Brus ein Vertreter des Wiener Aktionismus. Über diese Kunstform, die seit Anfang der 60er existiert, die gegen die Autorität von Kirche und Staat rebelliert und in die der Körper des Künstlers in das Gesamtkunstwerk miteinbezogen wird, bin ich zum ersten Mal im Linzer Lentos bei der Ausstellung „Störenfriede“ gestolpert. Erneut aufgefallen sind mir die sehr befremdlich wirkenden Fotografien der Werke Brus im Pariser Kunstmuseum Centre George Pompidou. Günter Brus ist weltweit bekannt für seine schockierenden öffentlichen Auftritte vor allem in den 60ern und 70ern. Damals ging eine Welle der Empörung durch die Öffentlichkeit – mein Grund mich genauer damit zu beschäftigen.

 

Reflexion

Nicht nur auf den ersten Blick wirken die fotografierten Aktionen von Günther Brus und seinen Kollegen ziemlich abschreckend. Schockieren, aufrütteln, rebellieren – Das sollen diese Gesamtkunstwerke, in denen vor keinem Tabuthema haltgemacht wird. Verstümmelung der Geschlechtsorgane, Urinieren an öffentlichen Plätzen, Verschmieren von Exkrementen am eigenen Körper,… Nichts ist diesen aufmüpfigen Künstlern zuwider um Aufmerksamkeit zu erregen, und die Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Die Wiener Aktionisten lehnen sich gegen die gängige Gesellschaftsordnung auf bis sie von der Polizei in Gewahrsam genommen werden.

Diese Art von Kunst wird von keinem Menschen auf der Welt als ästhetisch empfunden werden. Auch wenn man der Meinung ist, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt, diese Werke können wohl niemandem gefallen! Doch das sollen sie auch nicht. Auch wenn sich viele Menschen sofort von dieser „Kunst“ abwenden, eines haben die Wiener Aktionisten auf jeden Fall geschafft. Die Menschen empören sich über so ein Verhalten und werden so auf ihre Engstirnigkeit und auf ihr unflexibles gesellschaftliches Denken aufmerksam gemacht.

Auch ich finde diese Fotos abstoßend und hässlich, doch ich habe mir überlegt warum. Weil man mir beigebracht hat, wie ich über Themen wie Sexualität, Körperfunktionen, etc. zu denken habe? Oder weil in unserer Gesellschaft das der einzige Weg ist um Aufmerksamkeit zu erringen, sozusagen die letzten Bereiche für die wir uns schämen. Und nur weil wir uns schämen konnten diese Werke so große Empörung hervorrufen, hätten sie nicht einen sehr empfindlichen Nerv in unserer Gesellschaft getroffen, wären diese Aktionen sicher viel unbeachteter geblieben.

 

 

Der Künstler Günther Brus

Günther Brus wurde 1938 in Ardning, Österreich, geboren. In den Jahren 1953 bis 1958 besuchte er die Kunstgewerbeschule Graz, anschließend die Akademie für Angewandte Kunst Wien.

1960 trat er vorzeitig aus der Akademie für Angewandte Kunst aus.

1964 begründete Brus mit seinen Kollegen Mühl, Nitsch und Schwarzkogler den “Wiener Aktionismus”. Wenig später nahm er am legendären “Destruction in Art Festival”, London, teil. 1968 präsentierte Brus seine Aktion “Kunst und Revolution” an der Universität Wien, wofür er zwei Monate in Untersuchungshaft mußte und von einem Geschworenengericht zu sechs Monaten Arrest verurteilt wurde. 1969 erläßt ihm das Berufungsgericht einen Monat seiner Strafe und verschärft seine Reststrafe durch Fasttage und harte Lager. Brus flieht mit seiner Familie nach Berlin.

http://www.art-port.cc/kunstler/brus_gunter

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Bodies im Gasometer

Bodies im Wiener Gasometer

 

Auswahl

Im Frühjahr 2008 hat die, von chinesischen Medizinstudenten ins Leben gerufene Ausstellung Bodyworld großes Aufsehen erregt. Diese Ausstellung machte unter anderem im Wiener Gasometer halt, wo ich sie im Sommer besichtigte. Die Leiter der Ausstellung gerieten ins Kreuzfeuer der Kritik, ethische Bedenken machten die Runde. Dennoch war die Ausstellung sehr gut besucht. Dieser Widerspruch, den ich auch selber spürte als ich das Gebäude betrat, ist der Grund, warum ich diesen Beitrag schreibe.

 

Details über Bodies

Über 40.000 Menschen hat die schaurig-schöne Schau „Bodies“ im April ins Wiener Gasometer gelockt.

Die Schau zeigt mehr als 200 Organ- und Ganzkörperpräparate. Sie sollen unter anderem das Zusammenspiel von Skelett, Knochen, Nerven, Fortpflanzungssystem und Haut deutlich machen. Dabei handelt es sich um echte menschliche Körper.

„Sehen fördert Verstehen, und Verstehen fördert in direkter Form die Gesundheitserziehung. Der Körper lügt nicht“, erklärt der Leiter und medizinische Berater Roy Glover.

 

Reflexion

Warum löste diese Ausstellung überhaupt so eine Diskussion aus? Die von Studenten hergestellten Objekte, sind mit Silikon präparierte „Menschenteile“: Diese Menschen stellten sich der Wissenschaft zur Verfügung, und erlaubten vor ihrem Tod, ihren Körper der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Ausstellungsstücke selbst waren hochinteressant: Man konnte krebskrankes Gewebe mit Gesundem vergleichen, jeder Organ war einzeln präpariert und den verschieden Körperbereichen, wie Haut, Kopf, Muskeln… war jeweils ein Raum gewidmet. Bei gewissen Ausstellungsobjekten konnte man den „Menschen“ jedoch genau erkennen. Bei diesen wurde mir schon ziemlich mulmig zumute, wenn mir bewusst war, dass dieser in Scheibchen geschnittene Oberkörper einmal einem lebendigen Menschen gehörte. Insofern kann ich die moralisch motivierten Diskussionen sehr gut verstehen. Darf man einen Toten wirklich wie ein Tier präparieren und ausstellen?

Die Medizinstudenten rechtfertigten sich damit, durch das genaue Studium der Anatomie viel dazuzulernen. Für die Menschen in Zukunft bedeutet das neue und bessere Heilungschancen.

Der Gedanke, der mich letzten Endes mit diesem Thema abschließen ließ war Folgender:

Ich habe mich daran erinnert, dass ich glaube, dass nach dem Tod nicht alles vorbei ist. Deshalb bleibt auf der Erde auch nur eine leere „Menschenhülle“ zurück. Wenn Menschen sich dessen so sicher sind, dass sie ihre Überreste der Wissenschaft und der Öffentlichkeit überlassen wollen, um das Erfahren medizinische Details der breiten Masse zu ermöglichen, finde ich das in Ordnung. Es muss jedem selber überlassen sein, das zu entscheiden, und viel Angehörige, wollen sich mit einer traditionellen Zeremonie verabschieden. Es ist unerlässlich das zu akzeptieren!

Am Ende meines Ausfluges nach Wien, hatte ich einiges über den menschlichen Körper dazugelernt, viel über unterschiedliches Verständnis über das Leben nach dem Tod nachgedacht und ich habe meine eigene Meinung zu diesem Thema entdeckt.

 

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Die Reiherkönigin von Dorota Maslowska

 

Auswahl

Ein ganzes Buch gerappt – Das ist der Roman „Die Reiherkönigin“ der jungen, polnischen Autorin Dorota Maslowska. Da ich mich für die Werke von Nachwuchsautoren interessiere, war ich sehr gespannt auf diese Geschichte. Nach einigen Seiten war mir jedoch klar, einen Roman in dieser Art habe ich noch nie in meinen Händen gehabt. Und das aus gutem Grund! Die absolute Andersartigkeit dieser Geschichte verschafft ihr einen Platz in meinem Kulturportfolio.

Inhalt

Stan Retros Karriere als Popstar ist am Ende. Die Plattenverkäufe sind im Keller, die Presse setzt ihm mit Gerüchten über sein Sexualleben zu, und sein Publikum jagt bereits dem nächsten großen Hype hinterher. Sein Manager lässt sich am Telefon verleugnen, und seine Freundin verlässt ihn am Silvesterabend.

Von Mordgelüsten getrieben irrt Stan durch das nächtliche Warschau. Doch er ist nur ein Akteur in einer Welt am Rande des Wahnsinns:

Eine Bäckerin sehnt sich nach einem Leben im Rampenlicht, einer drittklassigen Poetin fehlen die Worte, und ein Musikkritiker macht Schlagzeilen mit seinem Übergewicht.

Dieser Rap malt ein Bild der heutigen, beschleunigten Gesellschaft.

Dorota Maslowska, Die Reiherkönigin, Verlag: kiwi paperback

Leseprobe

Sein hämisches Lachen sprach Bände, damit geht diese Geschichte zu Ende. Patricia rannte rasant auf die Straße und kam unter die Tram, es machte Knack, und sie fuhr zum Himmel in einem schwarzen Notarzt-Sack. Viel wurde geschwätzt, es hieß sogar, ihr Blut habe den Zebrastreifen vom Asphalt geätzt. Da war sie längst verschwunden, niemand hat sie mehr gefunden, sicher schwebt sie Hand in Hand mit Jesus jetzt über die Altäre, Schirmherrin aller Menschen mit verlorenem Gesicht, zerbrochenen Träumen und verletzter Ehre. VEB Powisle und VEB Patricia Pitz, heute ernährt sie sich von Erde, hältst du sie immer noch für einen Witz?

Stanislaw Retro fand sein Selbstgefühl bald wieder, verband sich mit einer Poetin aus dritter Liga, und trank im Café Raster Latte, sie wirtschaftete gut und blies gern einen, stopfte ihm die Bermudapforz und war mit allen Löchern für ihn offen, unser lieber Stand, er durfte wieder hoffen.

(Seite 37, Die Reiherkönigen von Dorota Maslowska, kiwi paperback Verlag)

Die Autorin

Dorota Masłowska ist am 3. Juli in Polen geboren, wo sie aufwuchs und nach dem Abitur ein Psychologiestudium begann. Bald wechselte sie nach Warschau, um Kulturwissenschaft zu studieren. Zwischenzeitlich lebte sie in Krakau, kehrte aber dann nach Warschau zurück, dessen Stadtteil Praga sie in ihrem zweiten Buch beschreibt. Im September 2004 kam ihr erstes Kind zur Welt.

Ihren Debütroman Wojna polsko-ruska pod flagą biało-czerwoną (2002) schrieb sie im Alter von 18 Jahren während des Abschlussjahres am Gymnasium. Der Roman (wörtlich: Polnisch-russischer Krieg unter weiß-rotem Banner) wurde in die wichtigsten europäischen Sprachen übersetzt. Er beschreibt – oder karikiert – den Alltag und die Perspektivlosigkeit von Jugendlichen im post-kommunistischen Polen. Kritiker lobten insbesondere den mit reichlich Jugendslang angereicherten Erzählstil. So verglich eine Rezension der tageszeitung ihn mit Irvine Welshs Trainspotting oder J.D. Salingers Der Fänger im Roggen. Das Buch rief allerdings auch kritische Stimmen hervor.

2005 veröffentlichte Masłowska ihr zweites Buch Paw królowej, mit dem sie die Kritik spaltete. Der Titel ist ein Wortspiel – er kann „Der Pfau der Königin“, aber auch „Die Kotze der Königin“ bedeuten. Die deutsche Übersetzung erscheint im Juni 2007 unter dem Titel Die Reiherkönigin.  Ähnlich wie sein Vorgänger malt auch Paw królowej ein düsteres Bild des heutigen Polen.

2005 erhielt Maslowska den Nike-Literaturpreis und 2006 veröffentlichte sie ihr erstes Bühnenstück, Dwoje biednych Rumunów mówiących po polsku (deutsch: Zwei arme, polnisch sprechende Rumänen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dorota_Mas, 31.12.2008

Reflexion

Nach den ersten paar Seiten des Buches war ich richtiggehend entsetzt. Ich konnte nicht glauben, dass es in diesem Ton über 200 Seiten so weitergehen sollte. Die überaus derbe Sprache störte mich weniger, als die sehr ungewohnt gebundene Sprache. Ich hatte gehofft, dass ich mich nach einiger Zeit daran gewöhnen würde, und nur den Sinn herauslesen würde. Ganz ist mir das allerdings nie gelungen. Das Lesen war sehr anstrengend, denn die Verse zerreißen oft den Sinn der Geschichte.

Dennoch finde ich die Idee eines gerappten Buches genial, und bewundere die junge Autorin für ihren Mut, so etwas zu veröffentlichen. Weiterempfehlen würde ich das Buch trotzdem keinem, da ich beim Lesen mehr Anstrengung als Vergnügen empfand, und der Lehrgehalt der Geschichte auch relativ gering ist. Ausgelesen habe ich die Geschichte nur, weil ich wissen wollte, wie das Ergebnis aussieht, wenn man diese anstrengende Sprache ein ganzes Buch lang beibehält, und weil ich die Kreativität der Autorin schätze. Wenn man Neuem keine Chance gibt, läuft man Gefahr etwas Gutes zu verpassen, mit dem Risiko, das es einiges gibt, was einem nicht gefällt. Mir ist es so gegangen, trotzdem bereue ich es nicht, mich mit diesem Roman beschäftigt zu haben, denn wer kann schon behaupten, eine gerappte Gesellschaftskritik gelesen zu haben?

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Elementarteilchen von Michel Houellebeqc

Elementarteilchen

von Michel Houellebecq

Diesen zweiten Schwerpunkt möchte ich skandalösen Kunstwerken und provozierenden Künstlern widmen.

Mein erster Beitrag zu diesem Thema ist der Roman „Elementarteilchen“ von Michel Houellebeqc, der auch im Landestheater aufgeführt wurde.

Ich habe das Theaterstück gesehen, ohne zu wissen was mich erwartete. Die Inszenierung war aufgrund schauspielerischer Leistungen und technischen Spezialeffekten beeindruckend, der Inhalt schockierend. Dennoch konnte ich nicht umhin, auch das Buch zu lesen, weil ich mir eine fundierte Meinung über die Geschichte bilden wollte. Letztendlich kam ich zu dem Entschluss, dass dieses Werk Houellebeqcs der perfekte Einstieg in mein Kulturportfolio der skandalösen Künste ist.

Inhalt

Inhaltsangabe:

Die beiden Halbbrüder Bruno und Michel werden von ihrer zur Generation der „Achtundsechziger“ gehörenden Mutter im Stich gelassen. Statt sich um ihre bei den jeweiligen Großeltern väterlicherseits aufwachsenden Söhne zu kümmern, glaubt die selbstsüchtige und sexuell freizügige Frau, sich in Kalifornien selbst verwirklichen zu müssen.

Michel, der jüngere der beiden Halbbrüder, beweist schon in der Schule seine außergewöhnliche mathematische Begabung. Aus Sex und Erotik macht sich der introvertierte, zu Depressionen neigende Schüler nichts, und er verliert deshalb auch seine Jugendfreundin Annabelle aus den Augen.

Nach einem Forschungsaufenthalt in Irland arbeitet Michel einige Zeit für ein molekularbiologisches Institut in Paris, bis er begreift, dass er vor den Konsequenzen seiner in Irland erzielten gentechnischen Forschungsergebnisse zurückschreckte und beschließt, wieder nach Irland zu gehen, um sie auszuwerten.

Bevor Michel nach Irland fliegt, kümmert er sich noch in seinem Heimatdorf um die Umbettung seiner Großmutter, deren Grab einer neuen Straße weichen muss. Er nutzt die Gelegenheit, um bei Annabelles Eltern vorbeizuschauen und trifft dabei unerwartet auf Annabelle, die inzwischen als Bibliothekarin in der Hauptstadt arbeitet und zufällig gerade ihre Eltern besucht. Michel wundert sich darüber, dass sie nicht verheiratet ist. Sie habe mit Dutzenden von Männern geschlafen und es auch mit Frauen probiert, aber alle Affären seien enttäuschend gewesen, meint sie und gesteht Michel, dass sie immer nur ihn geliebt habe. Als sie versteht, dass der inzwischen Vierzigjährige noch sexuell unerfahren ist, ergreift sie die Initiative und geht mit ihm ins Bett.

Beim Abschied verspricht Michel, sich regelmäßig aus Irland zu melden, aber sobald er seine bahnbrechende Forschungsarbeit wieder aufgenommen hat, vergisst er alles andere. Aufgrund der von ihm gefundenen Formeln wird sich ein geschlechtloser Übermensch züchten und klonen lassen.

Michel ahnt nicht, dass Annabelle von ihm schwanger ist. Wegen einer Anomalie im Gewebe des Fetus nehmen die Ärzte eine Abtreibung vor und entfernen dabei auch Annabelles Uterus. Ihre Mutter ruft Michel in Irland an. Als er erfährt, dass Annabella schwer krank ist, lässt er alles liegen und eilt zu ihr. Erst wenn sie sich von den Operationen erholt hat und ihn begleiten kann, wird er nach Irland zurückkehren.

Bruno wurde Lehrer. Nachdem ihn seine Ehefrau mit dem gemeinsamen Kind verließ, erhofft er sich von einem Ferienaufenthalt in einem aus dem Geist der New-Age-Bewegung entstandenen Hippie-Camp ein sexuelles Abenteuer. Dabei verliebt er sich in Christiane, die seine Gefühle erwidert, das Leben in vollen Zügen zu genießen versucht und Brunos Freude am Sex teilt. Den Grund begreift Bruno allerdings erst, als sie in einen Swingerclub während der Kopulation mit einem anderen Mann zusammenbricht: Christiane leidet an einer unheilbaren Nekrose des Rückenmarks. Das Krankenhaus kann sie nur noch im Rollstuhl verlassen.

Bruno bietet ihr an, sie bei sich aufzunehmen und sie zu pflegen, aber Christiane ist stärker als er und macht sich nichts vor: Sie lässt sich in ihre eigene Wohnung fahren und wartet dort darauf, dass Bruno sich klar darüber wird, was er will. Mehrmals wählt er die Telefonnummer seiner Geliebten, legt jedoch gleich wieder auf, weil er vor den Konsequenzen einer Entscheidung zurückscheut.

Als er endlich zu Christiane fährt, ist sie tot: Sie hat sich vom Balkon gestürzt. Verzweifelt sucht Bruno Zuflucht in einer psychiatrischen Anstalt und glaubt in seinem Wahn, dass Christiane bei ihm ist.

Dieter Wunderlich, Elementarteilchen: Inhaltsangabe http://www.dieterwunderlich.de/Houellebecq_elementarteilchen.htm, 24.12.2008

Der Autor Michel Houellebeqc

Michel Houellebecq ist ein französischer Schriftsteller. Heute lebt er in Irland und auf Lanzarote. Houellebecq gilt in Frankreich zurzeit als der meistgelesene, aber auch umstrittenste Autor seiner Generation.

Sein Vater, ein Hochgebirgsführer, und seine Mutter, eine Anästhesistin, beschlossen früh, Michel zu den Großeltern mütterlicherseits im seinerzeit noch französischen Algerien zu geben. Die Eltern befanden sich in einer Beziehungskrise und ließen sich scheiden, als seine Mutter von einem anderen Mann schwanger wurde. Mit sechs Jahren kam Michel zu seiner Großmutter väterlicherseits, einer Kommunistin, deren Geburtsnamen er später als Künstlernamen wählte. Der Umzug ins Pariser Umland bedeutete für ihn den Wechsel auf ein Internat in Meaux.

1980 heiratete er die Cousine seines besten Freundes, ein Jahr später wurde sein Sohn Étienne geboren. Dieses Ereignis konnte Houellebecq nicht verkraften: Er war stellungslos, hatte Eheprobleme und litt an Depressionen. Er trennte sich von seiner Frau und begab sich in psychiatrische Behandlung.

1983 bekam er eine Stelle als Informatiker in einer Firma und wechselte später ins Landwirtschaftsministerium. Diese Zeit, rund drei Jahre, verarbeitete er später in „Ausweitung der Kampfzone.“ Neben der Berufstätigkeit schrieb er Gedichte, Kritiken und Rezensionen. Er kam mit verschiedenen Leuten im Pariser Literaturbetrieb in Kontakt und widmete sich schließlich ganz der Schriftstellerei. Im selben Jahr lernte er seine heutige Ehefrau Marie-Pierre Gauthier kennen.

Vor allem aufgrund der Anfeindungen der französischen Kritik nach seinem zweiten Roman, Elementarteilchen von 1998, zog sich Houellebecq mit seiner Frau nach Irland zurück. Seit 2003 haben sie ein Haus in Südspanien, in der Nähe von Almería.

Werke

§  Elementarteilchen (Les particules élémentaires, 1998)

§  Gegen die Welt, gegen das Leben (Contre le monde, contre la vie), Dumont, 2002,

§  Plattform (Plateforme, 2001). Rowohlt, 2001, Die Möglichkeit einer Insel (La possibilité d’une île, 2005), Dumont, 2005

§  Lebendig bleiben. (Rester vivant, 1997)

§  Die Schöpferische Absurdität (In: Interventions, 1998/Die Welt als Supermarkt, 1999)

http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Houellebecq, 24.12.2008

 

Reflexion

Dieser Roman ist nicht nur wegen seiner unverblümten und oft groben Sprache so schockierend. Am schockierendsten fand ich die Aussage, dass jeder Mensch, egal wer er ist, wie oder wo er aufwuchs oder was er tut, die Liebe sucht, aber niemals findet. Bei Houellebeqc ist das Leben total hoffnungslos und kein Mensch hat die Aussicht auf Besserung, denn jede kleine Chance auf persönliches Glück entpuppt sich am Ende nur als Seifenblase, die ohnehin zerplatzt.

Das sieht man an den Halbbrüdern, die ganz unterschiedliche Typen sind, und ihr Leben ganz gegensätzlich gestalten, dennoch gehen beide an ihrem tiefen Unglück zugrunde.

Mit dieser Aussage zum Leben kann ich mich überhaupt nicht identifizieren, denn ich bin überzeugt, dass jeder etwas tun kann um sein „Lebensglück“ zu steuern. Voraussetzung ist nur, dass man bereit ist daran zu arbeiten.

Weiters würde ich dieses Buch (oder Theaterstück) keinem Menschen über dreißig empfehlen, da die Protagonisten, die ganze Geschichte über, den Verlust ihrer Jugend nicht verkraften, und, obwohl sie es probieren, keine Möglichkeit finden, im Hier und Jetzt zu leben.

Ein sehr interessanter Aspekt dieses Buches war der Bezug auf die Genetik. Streben wir nicht alle nach Perfektion? Wäre es nicht der Traum der Menschheit, die eigene Rasse zu „designen“ und den körperlich und geistig vollendeten Menschen zu erschaffen?

Die Wissenschaft ist auf dem besten Weg dorthin. Auch wenn es viele ethische Konflikte gibt, ich bin sicher, eines Tages wird es Argumente geben, diese zu entkräften.

Diesen Gedanken finde ich erschreckend. Nicht nur die Idee des Buches, dass Menschen nur noch im Reagenzglas gezüchtet werden, sondern auch die Vorstellung, dass alle gleich perfekt sind. – Keiner von uns hätte das Recht zu leben! Und wo führt uns das hin? Zu Eugenik und Rassenideologie, und das obwohl wir dachten, dass diese Ideen schon vor Jahrzehnten als barbarisch empfunden wurden.

Es ist äußerste Vorsicht geboten, denn der riesige Fortschritt in der Wissenschaft und Medizin, der auf jeden Fall viele Vorteile und eine Verbesserung der Lebensqualität mit sich bringt, könnte sehr schnell einen Rückschritt in Moral und Menschenwürde bedeuten.

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